Informationsmaterial für Ihre PATIENTEN... Rheumafaktoren (IgM-Antikörper gegen den Fc-Teil von Immunglobulinen) sind seit mehr als 50 Jahren bekannt und die Blutuntersuchung hierauf wird gerne als "Rheumatest" bezeichnet. Nicht zuletzt aufgrund seiner Bezeichnung als "Rheumafaktor" (RF) suggeriert dieser aber bei Patienten und Ärzten eine falsche Aussagekraft. Es gibt viele rheumatische Erkrankungen, bei denen der RF negativ ist und bei der Erkrankung, für deren Diagnose er pathognomonisch ist, die rheumatodie Arthritis (RA), findet er sich nur in 70-80% der Fälle. Darüber hinaus gibt es einige andere rheumatische (Sjögren-Syndrom, Lupus) und nicht-rheumatische (z.B. Hepatitis C, Paraproteinaemien) Erkrankungen, bei denen auch RF vorkommen. Somit ist die Aussagekraft eines positiven RF recht beschränkt und sein Nachweis kann allenfalls helfen, die anhand der Symptome und klinischen Befunde gestellte Verdachtsdiagnose einer RA zu unterstützen.
Seit 2001 gibt es nun einen neuen "Rheumatest", die Untersuchung auf sogenannte CCP-Antikörper. Diese Antikörper (Ak) gegen "cyclische citrullinierte Peptide" sind in anderer Form als antiperinucleärer Faktor, anti-Keratin oder anti-Fillagrin Antikörper zwar schon länger bekant und wissenschaftlich untersucht, ihre Bestimmung war aber methodisch aufwendig und meist wenig sensitiv. Seitdem in der Arbeitsgruppe unter Prof. van Venroiij, Nijmwegen, Niederlande, Ende der 90er Jahre die Antikörper besser identifiziert und ein (relativ) einfacher Test (ELISA) unter Verwendung cyclischer citrulliniertere Peptide entwickelt wurde, konnte die Bedeutung dieser neuen Marker-Antikörper für die RA (cP) genauer und umfangreich untersucht werden.
Hierbei zeigte sich, dass diese Ak gegenüber dem bisherigen RF deutlich spezifischer sind und nicht weniger sensitiv. Die Spezifität beschreibt die Wahrscheinlichkeit, mit der durch ein negatives Testergebnis Gesunde erkannt, d.h. die Diagnose einer RA ausgeschlossen werden kann.
Die Spezifität der CCP-Ak für die RA liegt in verschiedenen großen Studien über 90% (in eigenen Untersuchungen bei 600 Patienten bei 98%) wogegen der RF nur eine Spezifität von 80-90% aufwies, insbesondere dann, wenn man RA-Kranke nicht nur mit Gesunden, sondern auch mit anderen entzündlich-rheumatischen Ekrankungen vergleicht.
Die Sensitivität beschreibt die Wahrscheinlichkeit, mit der durch ein positives Testergebnis die richtige Diagnose bei Erkrankten gestellt wird. Da der RF selbst Bestandteil der Klassifikationskriterien für die RA ist, anhand derer oft die Diagnose einer RA gestellt wird, hat er gegenüber allen neuen Tests zur diagnostischen Sensitivität einen Vorteil. Aber auch hier zeigte sich für CCP-Ak eine zumindest gleich gute, in den neuesten Untersuchungen gegenüber dem RF sogar bessere Sensitivität als für den RF. Während der RF nur in ca. 80% der RA-Patienten nachzuweisen ist, waren CCP-Ak in bis zu 85% der RA-Patienten zu finden. In der eigenen Untersuchung von 600 Patienten (s.o.) betrug die Sensitivität der CCP-Ak 86% für die RA gegenüber 83% für den RF.
Wichtig sind noch weitere Zusammenhänge aus wissenschaftlichen Untersuchungen: CCP-Ak finden sich auch bei der RF-negativen RA, scheinen insbesondere mit radiologisch nachzuweisendem destruktiven Verlauf assoziiert zu sein, sie sind schon in sehr frühen Phasen der RA nachweisbar und erlauben so die frühzeitige Identifikation von RA-Patienten und von solchen mit drohender Destruktion der Gelenke.
In einer interessanten Untersuchung von über Jahre tiefgefrorenen Seren von Blutspendern in den Niederlanden (veröffentlicht 2004) zeigte, dass CCP-Ak bei der Hälfte der RA-Patienten durchschnittlich schon 4,5 Jahre vor Krankheitsbeginn nachzuweisen waren. Bislang gibt es keinen ausreichenden Anhalt dafür, dass die CCP-Ak im Verlauf mit der Krankheitsaktivität korrelieren.
Zusammenfassend sind CCP-Ak aussagekräftiger für die Diagnose einer RA als RF, sie erlauben die Identifikation von RA-Patienten bereits in der Frühphase der Erkrankung und insbesondere solcher mit einem hohen Risiko für destruierende Gelenkveränderungen. Da CCP-Ak bei Kollagenosen und anderen nicht-rheumatischen Erkrankungen deutlich seltener falsch positiv sind als RF, könnten sie in Zukunft den Rheumafaktor als Marker-Antikörper der rheumatoiden Arthritis ablösen.
Literatur: - W van Venroiij et al. Clin Exp Rheumatol 1999 Nov-Dec;17(6):689-97
- Visser H et al. How to Diagnose Rheumatoid Arthritis Early.
- A Prediction Model for Persistent (Erosive) Arthritis.Arthritis & Rheumatism, Vol. 46, No. 2, February 2002, pp 357-365
- Nielen MMJ et al, Specific Autoantibodies Precede the Symptoms of Rheumatoid Arthritis. A Study of Serial Measurements in Blood Donors. Arthritis & Rheumatism, Vol.50,No.2,February 2004,pp 380 -386
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