An dieser Stelle wird jeden Monat ein aktuelles Thema aus dem Bereich der Rheumatologie von einem der sechs hier vetretenen Kompetenzzentren Rheuma für Patienten und Betroffene allgemeinverständlich erörtert. Es soll allgemeine Informationen zu einer bestimmten Krankheit enthalten, Verhaltenstips und evtl. typische Krankheitsverläufe und ggf. Heilungschancen.
Februar/März: Rationelle Labordiagnostik in der Rheumatologie
Inhalt:1. Einleitung 2. Wie viel Blut wird für eine Routineuntersuchung entnommen und was bedeuten die verschiedenen Röhrchen? 3. Was steckt hinter den Fremdwörtern? 4. Abbildungen Einleitung: Zur Abklärung und Verlaufskontrolle einer rheumatologischen Erkrankung veranlasst der behandelnde Arzt vielfältige Laboruntersuchungen. Sicherlich haben Sie sich schon gefragt, was im einzelnen untersucht wird und was die Ergebnisse aussagen. Es soll hier versucht werden, allgemein verständlich die wichtigsten Blutuntersuchungen in der rheumatologischen Diagnostik zu erklären, damit jeder Patient die Notwendigkeit der Blutuntersuchungen besser verstehen kann.
Wie viel Blut wird für eine Routineuntersuchung entnommen und was bedeuten die verschiedenen Röhrchen? In der Regel werden zur Abklärung einer rheumatologischen Erkrankung zahlreiche Blutuntersuchungen durchgeführt, da viele sog. Differentialdiagnosen, d.h. andere Ursachen, die Ihre Beschwerden erklären würden, ausgeschlossen werden müssen. So wird meistens eine umfassende Routinelaboruntersuchung mit großem Blutbild, Leberwerten, Nierenwerten, Elektrolyten (Blutsalze), Eiweißen, Entzündungswerten, Gerinnungswerten und Blutsenkungsgeschwindigkeit durchgeführt. Hierfür werden ca. 20 ml Blut benötigt, verteilt auf verschiedenfarbige Röhrchen (rot, grün, violett, weiß). In jedem dieser Röhrchen ist ein bestimmter Zusatz enthalten, der die Blutbestandteile zur Bestimmung in den verschiedenen Maschinen "vorbereitet". Zur Bestimmung der spezielleren rheumatologischen Werte wie z.B. Rheumafaktor, Autoantikörper, Komplementfaktoren, Immunglobuline u.a. werden zusätzlich ca. 25 ml Blut benötigt. Muss aufgrund der Vorgeschichte des Patienten noch nach verschiedenen Bakterien oder Viren als Krankheitserreger gesucht werden, wird in der Regel nochmals 20-30 ml Blut abgenommen. Insgesamt werden also bei dem Verdacht auf eine rheumatologische Erkrankung ca. 50-60 ml Blut entnommen, welches einem Blutverlust entspricht, die ein erwachsener Mensch problemlos verträgt. Zum Vergleich: bei einer normalen Blutspende werden 500 ml Blut entnommen, d.h. die zehnfache Menge, ein erwachsener Mensch hat normalerweise 5 l Blut im Körper, d.h. 100 x so viel.
Was steckt hinter den Fremdwörtern? Das Blutbild umfasst alle "festen" Bestandteile des Blutes: im sogenannten "kleinen" Blutbild werden die roten Blutkörperchen (Erythrozyten), der Anteil der roten Blutkörperchen am Gesamtblut (Hämatokrit), der rote Blutfarbstoff (Hämoglobin) und dessen Verteilung in den roten Blutkörperchen (MCV und MCHC), die Blutplättchen (Thrombozyten) und die weissen Blutkörperchen (Leukozyten) bestimmt. Die Leukozyten können weiter in verschiedene Untergruppen unterteilt werden (stab- und segmentkernige Granulozyten, Lymphozyten, Monozyten, Basophile, Eosinophile), diese Untersuchung nennt sich "großes" Blutbild und spielt bei rheumatologischen Erkrankungen eine wichtige Rolle. Die wichtigsten Entzündungsparameter sind das sog. C-reaktive Protein (CRP) und die Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit auch Blutsenkung genannt (Abkürzung BSG oder BKS). Eine Erhöhung kann auf eine Aktivität der rheumatologischen Erkrankung hinweisen, oder Anzeichen für z.B. eine bakterielle Infektion sein, sie sind jedoch keineswegs spezifisch für das eine oder das andere. Die Diagnose kann vielmehr nur durch eine gründliche Befragung und Untersuchung gestellt werden. Im rheumatologischen Labor werden Werte wie Rheumafaktor (RF), antinukleäre Antikörper (ANA), anti-Neutrophilen-Cytoplasma-Antikörper (ANCA) bestimmt. Ein Antikörper wird von dem körpereigenen Abwehrsystem normalerweise zur Abwehr körperfremder Krankheitserreger gebildet. Bei einer Autoimmunerkrankung, zu der die rheumatologischen Krankheiten gehören, bildet der Körper Antikörper gegen körpereigene Anteile, sogenannte Autoantikörper (z.B. gegen Zellkernbestandteile, das sind antinukleäre Antikörper). Allerdings kommen Autoantikörper auch in niedriger Menge im Blut der Normalbevölkerung ohne krankheitswert vor. Insgesamt gilt für alle Laboruntersuchungen, dass sie nur im Zusammenhang mit einer Befragung und Untersuchung beurteilt werden können, um die richtigen Schlussfolgerungen ziehen zu können.
4. Abbildungslegenden:Abb.1:Antinukleäre Antikörper verschiedener Spezifitäten

Abb.2:Anti-Nucleäre Antikörper bei Kollagenosen

Abb.3:Typische Laborbefunde bei SLE

Abb.4:anti-Neutrophilen-Cytoplasma-Antikörper (ANCA)

Abb.5:Kryoglobulineigenschaften

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