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Thema des Monats September/Oktober/November 2004: Ein neuer Rheumafaktor: CCP-Antikörper (Patientenversion)

CCP-Antikörper helfen die rheumatoide Arthritis frühzeitig zu erkennen
Lücken, die der Rheumafaktor bei der Diagnose von Gelenkrheuma ("rheumatoide Arthritis", RA) hat, können durch die CCP-Antikörper geschlossen werden. Mit ihnen lässt sich eine rheumatoide Arthritis bereits im sehr frühen Anfangsstadium treffsicher diagnostizieren.

Bei der Abklärung von rheumatischen Erkrankungen wird seit mehr als 50 Jahren der sogenannte Rheumafaktor eingesetzt, ein vom Körper zur Abwehr produzierter Antikörper. Der Name "Rheumafaktor" erweckt den Eindruck, dass es sich hierbei um einen globalen Test zum Nachweis von Rheuma handelt. Dies ist nicht richtig. Es gibt viele Rheumaerkrankungen (M. Bechterew, Psoriasisarthritis, Vaskulitiden) bei denen er nicht nachweisbar ist. Nur für die rheumatoide Arthritis (RA), der häufigsten rheumatischen Erkrankung, auch chronische Polyarthritis genannt ist er diagnoseweisend. Er lässt sich aber auch hier nur in 70-80% der Fälle nachweisen. Außerdem kommt er auch bei ganz anderen rheumatischen Erkrankungen (Sjögren-Syndrom oder Lupus) vor, die wegen einer anderen Behandlung nicht mit der RA verwechselt werden sollten. Auch bei nicht-rheumatischen Erkrankungen wie einer virusbedingten Leberentzündung (Hepatitis C) oder einer gesteigerten Produktion bestimmter Eiweiß-Substanzen (Paraproteinämien) kann der Rheumafaktor gefunden werden. Somit ist die Aussagekraft eines positiven Rheumafaktors recht beschränkt, und sein Nachweis kann allenfalls helfen, die anhand der Symptome und klinischen Befunde gestellte Verdachtsdiagnose einer RA zu unterstützen. Fällt er dagegen negativ aus, heißt dies noch lange nicht, dass keine rheumatische Erkrankung vorliegt.

CCP-Antikörper treffsicherer als der Rheumafaktor
Die Schwächen, die der Rheumafaktor in seiner Aussagekraft hat, können durch die Bestimmung von Antikörpern gegen cyclische citrullinierte Peptide (CCP-Antikörper) vermieden werden. Anfänglich war der Nachweis von CCP-Antikörpern noch aufwändig und wenig treffsicher. Seitdem jedoch in der Arbeitsgruppe unter Prof. van Venroiij, Nijmwegen, Niederlande, Ende der 90er Jahre diese Antikörper besser identifiziert und ein relativ einfacher Test (ELISA) für deren Nachweis entwickelt wurde, konnte ihre Bedeutung für die RA genauer und umfangreich untersucht werden. Hierbei zeigte sich, dass diese Antikörper gegenüber dem Rheumafaktor deutlich spezifischer sind und nicht weniger sensitiv. Die Spezifität beschreibt die Wahrscheinlichkeit, mit der durch ein negatives Testergebnis ein Gesunder als gesund erkannt, d.h. die Diagnose einer RA ausgeschlossen werden kann. Mit CCP-Antikörpern gelang es in verschiedenen großen Studien, bei Gesunden in über 90% der Fälle eine RA auszuschließen. In Untersuchungen der Arbeitsgruppe von Dr. Ch. Specker war dies sogar bei 98% der Fälle möglich. Der Rheumafaktor leistet dies dagegen nur in 80-90% der Fälle.

Die Sensitivität beschreibt die Wahrscheinlichkeit, mit der durch ein positives Testergebnis die richtige Diagnose bei Erkrankten gestellt wird. Auch hier zeigte sich für CCP-Antikörper eine zumindest gleich gute, in den neuesten Untersuchungen sogar bessere Treffsicherheit (Sensitivität) gegenüber dem Rheumafaktor. Während der Rheumafaktor nur bei etwa 80% der RA-Patienten nachzuweisen ist, waren CCP-Antikörper in bis zu 85% der Fälle bei RA-Patienten zu finden. In den Untersuchungen des Autors (s.o.) von 600 Patienten betrug die Sensitivität der CCP-Antikörper für die RA 86% gegenüber dem Rheumafaktor mit nur 83%.

Wichtig sind noch weitere Zusammenhänge aus wissenschaftlichen Untersuchungen: CCP-Antikörper finden sich auch bei der Rheumafaktor-negativen RA und scheinen insbesondere mit einem im Röntgen nachweisbaren, gelenkzerstörenden Krankheitsverlauf einher zu gehen. CCP-Antikörper finden sich schon in sehr frühen Phasen der RA, so dass eine frühzeitige Diagnose möglich ist und das Risiko für Gelenkzerstörungen eingeschätzt werden kann.

In einer interessanten Untersuchung von über Jahre tiefgefrorenen Seren von Blutspendern in den Niederlanden (veröffentlicht 2004) zeigte sich, dass CCP-Antikörper bei der Hälfte der RA-Patienten durchschnittlich schon 4,5 Jahre vor Krankheitsbeginn nachzuweisen waren. Ob die Höhe der CCP-Antikörper auch eine Aussage über die Krankheitsaktivität zulässt, kann bislang noch nicht beurteilt werden.

Fazit
CCP-Antikörper sind für die Diagnose einer RA aussagekräftiger als der Rheumafaktor. Sie erlauben die Identifikation von RA-Patienten bereits in der Frühphase der Erkrankung und insbesondere solcher mit einem hohen Risiko für schwere Gelenkveränderungen. Da CCP-Antikörper bei Kollagenosen und anderen nicht-rheumatischen Erkrankungen deutlich seltener falsch positiv sind als der Rheumafaktor, könnten sie den Rheumafaktor in Zukunft als so genannten Marker-Antikörper der RA ablösen.

Literatur:

  1. W van Venroiij et al. Clin Exp Rheumatol 1999 Nov-Dec;17(6):689-97
  2. Visser H et al. How to Diagnose Rheumatoid Arthritis Early. A Prediction Model for Persistent (Erosive) Arthritis. Arthritis & Rheumatism, Vol. 46, No. 2, February 2002, pp 357-365
  3. Nielen MMJ et al, Specific Autoantibodies Precede the Symptoms of Rheumatoid Arthritis. A Study of Serial Measurements in Blood Donors. Arthritis & Rheumatism, Vol.50,No.2,February 2004,pp 380 -386
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Datum: 28.10.2004 13:59:00

Prof. Dr. med. Christof Specker  


 
 
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