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Zusammenfassungen der KNR Session in Heidelberg, 7.-8. April 2005


Beim gemeinsamen Workshop der AG kooperativer Rheumazentren und des KNR waren die zwei Themenblöcke zur Rheumaforschung ein ‚außerordentliches’ Forum Experimentelle Rheumatologie. Eingeladenen Gastsprecher präsentierten spannende Aspekte und Ergebnisse zu den Themen Apoptose und Entzündungsmechanismen. Weitere Sprecher waren durch das Abstractverfahren eingeladen. Mit fast 50 Zuhörern waren die Themenblöcke sehr gut besucht und der Zeitplan konnte bei dem großen Interesse zur Diskussion kaum eingehalten werden! Diese intensive Kommunikation ist das Ziel und der Erfolg dieser Sessions!

Themenblock Rheumaforschung I: Autoimmunität und Apoptose

In drei sehr informativen Vorträgen wurde der programmierte Zelltod aus jeweils unterschiedlichem Blickwinkel in seiner Bedeutung für die Entstehung von Autoimmunität dargestellt.
Henning Walczak (Heidelberg) leitet das Thema ein mit der Darstellung verschiedener Todesrezeptorsysteme wie CD95, TNR-R1, DR3 (TRAMP), DR6, und TRAIL-R. In seinem Vortrag fokussierte er insbesondere auf die "tumor necrosis factor-related apoptosis-inducing ligand receptors" (TRAIL-R) und die auf die Bindung von CD95 folgende DISC-Formation (death-inducing signaling complex), welche zur nachfolgenden Apoptoseinduktion über Caspase-8-Aktivierung führt.
Claudia Berek (Berlin) illustrierte sehr anschaulich das Wechselspiel von klonaler Selektion und Deletion in Keimzentren bei chronischer Autoimmunität.
Der letzte Übersichtsvortrag von Martin Herrmann (Erlangen) zeigte sehr anschaulich den Zusammenhang zwischen defekter Clearance von antigenem Material und der resultieren-den, gewebsdestruierenden Immunresponse bei der Modell-Autoimmunerkrankung schlechthin, beim systemischen Lupus erythematodes.

Die folgenden Kurzvorträge aus ausgewählten Abstracts sowie die sich entwickelnden lebhaften Diskussionen spiegelten allesamt das breite Spektrum von experimentellen Projekten zu Autoimmunität und Apoptose auf diesem Gebiet in Deutschland wider und werden hoffentlich Anstoß zu vielen weiteren Kooperationen auf diesem Gebiet geben.
Die Ergebnisse von Marvin Schiller zeigten, daß die Freisetzung von Histonen und Histon-Varianten als ein Ereignis der frühen Apoptose anzusehen ist. Ahmed Sheriff demonstrierte sehr plastisch, wie sich Zellmembranen während der Apoptose von einem rigiden Zustand bei vitalen Zellen hin zu einem zunehmend flexiblen und fluiden bei apoptotischen Zellen verändern. Diese morphologischen Veränderungen erlauben das Blebben und die Erkennung durch Phagozyten. Nikolaus Miehle zeigte auf, daß die konventionelle immunosuppressive Therapie und interessanterweise auch Cyclophosphamid-Pulse bei SLE-Patienten einen profunden und langanhaltenden, deletierenden Effekt auf die T- und B-Zell-Kompartimente haben. Die Therapien vermindern vor allem naive und IgM Gedächtnis-B-Zellen, sind aber weniger effektiv bei langlebigen Gedächtnis-B-Zellen und Plasmazellen. Norbert Blank berichtete, daß Atorvastatin die Cholesterinbiosynthese und damit die Bildung von funktionellen Membranmikrodomänen hemmt. Dies behindert die zelluläre Aktivierung und stellt eine Möglichkeit der Kombinationstherapie bei Autoimmunerkrankungen in Aussicht. Im dem Vortrag von Schulte-Pelkum wurde die Entwicklung eines Biochips zum Nachweis von Autoantikörpern beschrieben. Die weitere Etablierung dieses Chips, mit dem es schon jetzt möglich ist, gleichzeitig für 14 verschiedene Antigene zu testen, ist ein wichtiger Beitrag zur Diagnose von Rheumatischen Erkrankungen.

Themenblock Rheumaforschung II - Entzündungsmechanismen
Abstractsession
Diese Session beinhaltete zum einen interessante funktionelle Aspekte zum besseren Verständnis T Zell-vermittelter  Pathomechanismen bei der Wegnerschen Granulomatose (WG), der Rheumatoiden Arthritis (RA) und des polyglandulären Autoimmunsyndroms Typ II (PGAIS-II). Zum anderen wurden erste Daten zu neuen, vielversprechenden Therapiekonzepten bei der Behandlung der RA vorgestellt und diskutiert. Von Herrn Lamprecht aus der Uni-Klinik Lübeck wurde der interessante Befund erhoben, dass bei der WG vermehrt CD4 Zellpopulationen mit einer verminderter Expression des kostimula-torischen Moleküls CD28, aber dafür erhöhten Expression des ebenfalls kostimulatorisch wirksamen Rezeptors NKG2D auftreten.
Frau Tretter aus der Uni-Klinik Heidelberg berichtete von einem Funktionsdefekt bei den sog. regulatorischen T-Zellen (CD4+CD25+) bei Patienten, die am PGAIS-II erkrankt sind. Die hierbei beobachtete, verminderte immunsuppresive Kapazität dieser Zellen ist im Zusammenhang mit der Entstehung der Autoimmunität beim PGAIS-II diskutiert wurden.
Herr Lipp vom MDC in Berlin konnte im Mausmodell zur Antigen-induzierten Arthritis durch gezieltes Knockdown der homeostatisch wirksamen Chemokinrezeptoren CCR7 und CXCR5 zeigen, dass diese Rezeptoren eine essentielle Rolle bei der Entstehung ektopischer Lymphfollikel im chronischen Verlauf von  Entzündungsreaktionen bei Autoimmunerkran-kungen  spielen.
Frau Rossol vom Max-Bürger-Forschungszentrum in Leipzig stellte Ergebnisse zur T-Zell vermittelten Zytokinproduktion in Monozyten vor. Nach ihren Ergebnissen ist an der Interaktion zwischen Monozyten und T-Zellen insbesondere membranständiges TNF- auf der Zelloberfläche von T-Zellen beteiligt, das von den entsprechenden Rezeptoren auf den Monozyten erkannt wird. Dieser Befund ist von besonderem Interesse für das Verständnis von anti-TNF basierten Therapien.
Im Hinblick auf neue Therapien bei der RA wurden von Herrn Fiehn von der Uni-Klinik Heidelberg erste Daten zu modifiziertem MTX vorgestellt, das an Albumin gekoppelt ist. Überraschenderweise ließen sich in Kombination mit normalen MTX synergistische, anti-inflammatorische Effekte im Tiermodell zeigen, die u.a. auf die verlängerte Halbwertszeit des modifizierten MTX zurückzuführen sind.
Herr Schiller, ebenfalls aus Heidelberg, stellte den immunsuppressiv wirksamen Purinsynthese-Antagonisten Mycophenolatmofetil als antiproliferativ-wirksames Therapeuti-kum in Bezug auf Zytokin-aktivierte Lymphozyten vor. Dieser Effekt ließ sich in Kombination mit anderen Immunsuppresiva, wie CsA und Chloroquin, additiv verstärken.



Datum: 15.06.2005 12:02:00
Team Rheumanet  



 
 
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