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Was ist das Fibromyalgie-Syndrom?


Das Fibromyalgie-Syndrom ist eine häufige, meist chronisch verlaufende Schmerzerkrankung, die den ganzen Bewegungsapparat betreffen kann. 1-3% der Bevölkerung sind davon betroffen, zu 90% Frauen. Gelegentlich wird es auch als generalisierter Weichteilrheumatismus bezeichnet. Als Betroffener hat man seit längerer Zeit Schmerzen am Bewegungsapparat (Arme, Beine und Rücken), in den Gelenken oder in der Muskulatur. Die Schmerzen können sich wie ein "Muskelkater" oder wie die typischen Gliederschmerzen bei einem grippalen Infekt anfühlen. Zusätzlich bestehen häufig vegetative Beschwerden und Schlafstörungen.

Auf den folgenden Webseiten möchte die Abteilung Innere Medizin II der Uniklinik Heidelberg über das Fibromyalgie-Syndrom informieren und Betroffenen den aktuellen Stand des Wissens über die Ursachen, den Krankheitsverlauf, die Behandlungsmöglichkeiten sowie die Zukunftsaussichten vermitteln:

www.fibro-heidelberg.de

 



Datum: 23.09.2003 09:54:00
Dr. med. Julia Rautenstrauch  



Weitere Informationen zu Fibromyalgie...


Fibromyalgie - eine Betroffene berichtet

"Schon als junge Frau habe ich oft unter Rückenschmerzen gelitten. In den letzten Jahren ist es dann immer schlimmer geworden. Inzwischen tut es mir überall weh, der gesamte Rücken, die Knie, die Hüften Schultern und Ellenbogen. Morgens habe ich oft ein Gefühl geschwollener Hände. Sie sind dann ganz steif und ich brauche den ganzen Morgen, bis ich sie wieder richtig bewegen kann.
Dazu kommt, dass ich ständig müde bin. Mir ist oft schwindelig, ich kann mich kaum konzentrieren. In letzter Zeit habe ich oft auch Herzrasen und kann kaum schlafen.
Mein Hausarzt sagt, dass alle Blutwerte in Ordnung sind. Auch sonst sei nichts auffällig. Ich bin doch keine eingebildete Kranke."

So oder ähnlich schildern Betroffene häufig ihre Krankheitsgeschichte. Oft haben sie eine lange Geschichte multipler Schmerzen in Sehnen und Muskeln hinter sich und zahlreiche Arztbesuche, die zu keiner Klärung führen. Labor- und Röntgenuntersuchungen zeigen meist keine oder nur geringe Auffälligkeiten, die Betroffenen fühlen sich dann rasch in der Rolle des "eingebildeten Kranken".

Ein Teil der Patienten leidet zusätzlich unter zahlreichen Symptomen wie Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Schwindel, Schlafstörungen, Verdauungsbeschwerden, gynäkologischen Beschwerden, unscharfem Sehen, trockenen Augen. Manche haben wegen dieser Beschwerden schon eine Odyssee mit Besuchen bei zahlreichen Fachärzten hinter sich. Auch hier erleben sie immer wieder, dass die Diagnose lautet "kein Befund".

Für die Betroffenen ist es oft eine große Erleichterung, wenn dann die Diagnose einer Fibromyalgie gestellt wird und damit ihre Beschwerden nicht nur erklärt, sondern von medizinischer Seite auch als Krankheit anerkannt werden.

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Die Krankheit - was bedeutet Fibromyalgie

Fibromyalgie heißt übersetzt "Schmerzen von Sehnen und Muskeln". Betroffen sind - anders als z.B. bei dem entzündlichen Gelenkrheumatismus, der Polyarthritis - in erster Linie nicht die Gelenke, sondern die sie umgebenden Weichteile. Dies sind in erster Linie die Sehnen und hier insbesondere die Stellen, an denen die Sehnen am Knochen ansetzen, sowie die Muskulatur. Man spricht deshalb auch von Weichteilrheumatismus

Ein besonderes Kennzeichen der Erkrankung ist, dass die Betroffenen unter multiplen Schmerzen leiden, ohne dass sich durch technische Untersuchungen wie Labor oder Röntgen krankhafte Befunde erheben lassen. Dies ist einer der Gründe dafür, dass die Fibromyalgie als eigenständiges Krankheitsbild erst Ende des zwanzigsten Jahrhunderts erkannt und anerkannt wurde (zuvor wurde bei den Betroffenen häufig z.B. ein "psychogener Rheumatismus" diagnostiziert).

1990 wurden durch das American Collegue of Rheumatology (ACR) erstmals Kriterien für die Diagnose einer Fibromyalgie aufgestellt, die im wesentlichen auch heute noch Gültigkeit haben:

Diagnosekriterien der Fibromyalgie

  • Sehnen/Muskelschmerzen im Bereich der oberen und unteren Extremitäten und der rechten und linken Körperhälfte, der Wirbelsäule und vorderen Brust für eine Dauer von mindestens 3 Monaten
  • Erhöhte Druckschmerzhaftigkeit an charakteristischen Druckpunkten ("tender points")
Zusätzlich zu diesen Charakteristika findet man bei den betroffenen Patientin häufig auch zahlreiche "funktionelle Störungen", das heißt Funktionsstörungen von Organen, ohne dass sich an diesen ein sichtbarer Schaden nachweisen liesse.

  • Schlafstörungen, Leistungsabfall, Konzentrationsschwäche, Müdigkeit
  • Kopfschmerzen, Depression
  • Herzrasen, Herzstolpern, Schwindel
  • Morgendliche Gelenksteifigkeit
  • Kloßgefühl im Hals
  • Husten, Luftnot
  • Magen/Darmbeschwerden
  • Schmerzhafte Regel
  • Schmerzen beim Wasserlassen
  • Trockenheit der Augen
  • u.s.w.
Diese Beschwerden können natürlich immer auch Ausdruck ernsthafter organischer Erkrankungen sein. Sie sind daher oft Anlass für verschiedenste fachärztliche Untersuchungen (Neurologe, Kardiologie, Lungenfacharzt, Gynäkologe, Augenarzt und andere). Oft ist es dann für die Betroffenen schwer zu akzeptieren, wenn sich keine krankhaften organischen Befunde erheben lassen. Dabei ist dies bei "funktionellen Störungen" völlig normal. Der fehlende Nachweis eines organischen Schadens schließt auch nicht aus, dass die entsprechenden funktionellen Beschwerden gravierend und sehr belastend sind.

Eine von an Fibromyalgie Erkrankten ebenfalls häufiger gemachte Beobachtung ist die einer erhöhten Infekt- und Allergienanfälligkeit.

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Die Diagnose - Untersuchungen durch den Arzt

Die Diagnose einer Fibromyalgie stützt sich in erster Linie auf die Beschwerdeschilderung durch den Patienten und auf die körperliche Untersuchung durch den Arzt.

Laboruntersuchungen und eine apparative Diagnostik wie z.B. Röntgen führen oft nicht weiter, dienen aber dem Ausschluss anderer, den Beschwerden möglicherweise zugrunde liegender Erkrankungen.

Finden sich keine Hinweise auf eine andere den Beschwerden zugrunde liegende Erkrankung, spricht man von einer primären Fibromyalgie.

Daneben können charakteristische Symptome einer Fibromyalgie auch im Gefolge anderer Krankheiten auftreten. Man spricht von einer sekundären Fibromyalgie. Krankheiten, bei denen dies beobachtet werden kann sind z.B.:

  • andere rheumatische Erkrankungen wie z.B. Polyarthritis
  • Stoffwechselstörungen, z.B. Schilddrüsenüberfunktion
  • Infektionen, z.B. Virushepatitis
Schließlich muss die Fibromyalgie auch gegen andere Erkrankungen abgegrenzt werden, die ähnliche Beschwerden machen und daher mit einer Fibromyalgie verwechselt werden können, z.B. Knochenerkrankungen, Depressionen etc.

Manchmal machen auch die begleitenden funktionellen Störungen (z.B. Herzrasen) zusätzliche Untersuchungen erforderlich, z.B. ein EKG.

Wichtig ist, das man sich von der Vorstellung löst, eine Krankheit existiere nur dann, wenn sie zu krankhaften Veränderungen bei Untersuchungen mittels Labor und Apparaten führe. Es gibt keinen "eingebildeten" Schmerz.

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Körper und Seele - Ursachenforschung

Bis heute ist nicht geklärt, welche genauen Ursachen die Fibromyalgie hat. Man hat verschiedenste Versuche gemacht, die Fibromyalgie auf einen isolierten körperlichen Schaden oder eine einzelne körperliche Fehlfunktion wie z.B. eine Stoffwechselstörung zurückzuführen. Ebenso wurde auch in Richtung möglicher psychischer Ursachen geforscht. Dabei hat sich gezeigt, dass die Vorstellung, man könne die Fibromyalgie auf eine einzelne Ursache zurückführen, trügt.

Vielmehr scheint es sich um eine komplexe Störung im Zusammenspiel zwischen Seele und Körper oder anders ausgedrückt zwischen Gehirn, Nervensystem und auch Immunsystem zu handeln. Es ist offenbar eine Erkrankung, die den Menschen in seiner Gesamtheit trifft, nicht nur körperlich, sondern auch seelisch.

Aus diesem Grunde beschäftigen sich mit der Fibromyalgie sowohl psychosomatisch (Psyche = Seele, Soma = Körper) orientierte Ärzte, die den Zusammenhang zwischen Seele und Körper untersuchen als auch Forscher der Psycho-Neuro-Immunologie (Psyche = Seele, Neuro = Nervensystem, Immun = Immunsystem), die den komplizierten Störungen im Zusammenspiel zwischen Gehirn, Nervensystem und Immunsystem auf der Spur sind. Es bleibt zu hoffen, dass diese Forschungen helfen, das Krankheitsbild "Fibromyalgie" weiter zu erhellen, und zu neuen Behandlungsansätzen führen.

Die Beobachtung, dass die Fibromyalgie sowohl körperliche als auch seelische Aspekte hat, erklärt auch das Nebeneinander von primär körperlich orientierten (z.B. physikalische Therapie) und mehr psychisch/psychosomatisch ausgerichteten Behandlungsansätzen. Beide haben ihre Berechtigung und sollten daher nicht gegeneinander ausgespielt werden. Im übrigen erkennt auch die psychosomatische Medizin den Schmerz als eine Realität an, sie betrachtet ihn nur umfassender als die rein körperlich ausgerichtete Medizin, letztlich ist sie damit auch der wünschenswerten Vorstellung einer ganzheitlichen Medizin näher.

So wie jeder an Fibromyalgie Erkrankte seine Krankheit anders und individuell erlebt, wird er auch mehr oder weniger für eine mehr körperlich oder eine mehr psychosomatisch ausgerichtete Medizin geeignet sein. Man sollte immer in beide Richtungen offen sein

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Die Therapie - viele Richtungen

Die Behandlung der Fibromyalgie sollte "multimodal" sein, das heißt im Idealfall berücksichtig sie verschiedenste seelische und körperliche Aspekte der Erkrankung.

Eine wichtige Voraussetzung ist, dass die Betroffenen sich akzeptiert und ernst genommen fühlen. Hilfreich ist auch eine umfassende Information über das Krankheitsbild, wie sie z.B. in auf Fibromyalgie spezialisierten Rheuma-Kliniken durch eine sogenannte Patientenschulung vermittelt wird.

Psychotherapeutisches Behandlungsspektrum

Wichtige Ziele der psychologischen Betreuung der Erkrankten sind, ihm Hilfen zu einem besseren Umgang mit der Erkrankung und den Schmerzen bereitzustellen. Oft ist auch eine Beratung erforderlich, wenn krankheitsbedingt Konflikte in der Familie oder auf der Arbeit auftreten.

Zu den psychologischen Hilfen zählen z.B.:
  • autogenes Training
  • sog. progressive Muskelrelaxation nach Jacobson
  • Gesprächstherapie
  • Hilfen zur Schmerzbewältigung

Körperliche Behandlung

Während Medikamente bei der Behandlung oft nur eine untergeordnete Rolle spielen, kommt der Physiotherapie (Krankengymnastik, physikalische Therapie) eine wichtige Rolle zu. Angewandt werden z.B.
  • Krankengymnastik zur Erhaltung der Beweglichkeit
  • Der Belastbarkeit angepasstes Fitnesstraining
  • Massagen, Elektrotherapie
  • Wärme und Kälteanwendungen

Medikamente

Medikamente spielen bei der Behandlung eine eher untergeordnete Rolle. Manchmal können Schmerzmittel sinnvoll sein, sie wirken aber nicht bei jedem gleich gut.

Zur Schmerzbehandlung werden auch Medikamente gegen Depressionen eingesetzt. Man hat festgestellt, dass ein Teil der betroffenen Patienten durch diese Medikamente (unabhängig von einer möglichen depressions-lösenden Wirkung) eine Schmerzlinderung erfährt.

Ein weiterer neuerer Ansatz sind Medikamente mit Wirkung auf den Serotininspiegel (z.B. Tropisetron, Handelsname Navoban ®), die z.T. noch Gegenstand der Forschung sind und ebenfalls bei einem Teil der Betroffenen zu einer Schmerzlinderung beitragen sollen.

Komplementärmedizinische Verfahren

Eine von den Betroffenen immer wieder nachgefragte Behandlungsmöglichkeit sind alternativmedizinische Verfahren, wie sie zahlreich zur Behandlung der Fibromyalgie angeboten werden, z.B. Entsäuerung, Akupunktur, traditionelle chinesische Medizin. Einige Patienten berichten hier tatsächlich über eine Besserung, der Erfolg ist aber leider nicht vorhersehbar. Ein Problem - und Grund zur Vorsicht - ist, dass diese Behandlungen oft recht teuer sind und von den Betroffenen selber bezahlt werden müssen. Im Einzelfall mag dies berechtigt sein. Man sollte dennoch in seinem Urteil nüchtern bleiben und sich z.B. nicht durch überzogene Heilungsversprechen ("95 % Heilung") verführen lassen.

Selbsthilfegruppen

Betroffene Patienten haben sich in Selbsthilfegruppen organisiert, z.B. Deutsche Rheuma-Liga oder Deutsche Fibromyalgie-Vereinigung. Hier finden Betroffene Austausch und Unterstützung durch andere an Fibromyalgie erkrankte Menschen.

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Datum: 23.09.2003 09:51:00
Dr. med. Martin Haas  



 
 
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