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Schwangerschaft und Rheuma. Was ist zu beachten?

Rheumatische Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis, Lupus erythematodes oder systemische Sklerodermie befallen oft junge Frauen. "Darf ich trotz meiner Krankheit schwanger werden?" wollen die Betroffenen wissen, und:. "Kann ich ein gesundes Kind bekommen?" Oft kann der Arzt den Kinderwunsch befürworten, manchmal aber muss er von einer Schwangerschaft abraten. Die Entscheidung ist abhängig von der Erkrankung und der aktuellen Krankheitsaktivität.


Inhaltsangabe

1. Schwangerschaft und Rheuma. Was ist zu beachten?

2. Rheumatoide Arthritis

3. Systemischer Lupus erythematodes (SLE)

4. Systemische Sklerodermie


2. Rheumatoide Arthritis

Die Empfängnisfähigkeit von Patientinnen mit rheumatoider Arthritis ist nicht eingeschränkt. Bei ungeschütztem Partnerverkehr dauert es nur durchschnittlich zwei Monate länger als bei Gesunden, bis eine Schwangerschaft eingetreten ist. Bei 75 % der Betroffenen bessert sich die Erkrankung in der Schwangerschaft, bei zwei von drei Frauen verschwindet sie sogar vollständig. Leider kehrt die Erkrankung ebenso regelhaft innerhalb von zwei Monaten nach der Entbindung wieder zurück, berichtete Frau Dr. Mieke Hazes, Rheumatologin der Universität Rotterdam, beim EULAR 2001 in Prag. Allerdings erlebt nicht jede Patientin eine Besserung in der Schwangerschaft und nicht jede Schwangerschaft ruft bei derselben Frau dieselbe Besserung hervor.
Die rheumatoide Arthritis hat keinen Einfluss auf das Kind, es kommt normalerweise gesund zur Welt. Allerdings wird die Anlage, später eine rheumatoide Arthritis zu entwickeln, in ca. 20 % vererbt.
Patientinnen mit rheumatoider Arthritis sind häufiger kinderlos als gesunde Kontrollen. Die Schwangerschaft bietet offenbar einen gewissen Schutz vor der Erkrankung, vor allem eine erste Schwangerschaft in jungem Alter. Dass die Schwangerschaft auch als Auslöser der Erkrankung in Betracht kommt, wie mitunter vermutet wurde, verneint die Rheumatologin. Wenn trotz durchgemachter Schwangerschaft eine rheumatoide Arthritis auftrete, sei der Krankheitsbeginn nur verschoben. Die Krankheitsverläufe von Frauen, die einmal schwanger waren, unterscheiden sich dann nicht von Patientinnen, die keine Schwangerschaft durchgemacht haben. Frauen, die die Pille nehmen, haben ein etwas (um ca. 20 %) geringeres Risiko, die Krankheit zu entwickeln.

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3. Systemischer Lupus erythematodes (SLE)

Die Empfängnisfähigkeit von Patientinnen mit SLE ist normal bzw. nur bei starker Krankheitsaktivität eingeschränkt. Meist kommt es zu einer Verschlechterung der Erkrankung während einer Schwangerschaft, betonte Professorin Dr. Erika Gromnica-Ihle, Rheumaklinik Berlin-Buch, beim Kongress "Chancen und Defizite in der Rehabilitation Rheumakranker" im Frühjahr 2000 in Berlin. Im Gegensatz zur Patientin mit rheumatoider Arthritis hat die Lupus-Patientin ein hohes Risiko für das Kind zu gewärtigen. Es kommt gehäuft zu Fehlgeburten (17,5 %), Totgeburten (7 %), Frühgeburten (29 %) und Kindern mit niedrigem Geburtsgewicht (25 %).
"Früher sollten diese Patientinnen gar nicht schwanger werden. Inzwischen haben wir gelernt, damit umzugehen", erklärte Prof. Gromnica-Ihle. "Die SLE-Schwangerschaft ist jedoch eine Risikoschwangerschaft und sollte grundsätzlich vom internistischen Rheumatologen und Gynäkologen gemeinsam engmaschig überwacht werden." Bevor eine Schwangerschaft angestrebt wird, muss der Lupus zur Ruhe kommen. Die Expertin forderte sechs Monate Inaktivität ohne Fieber und ohne neue Schübe.
Grundsätzlich verschlechtert sich die Erkrankung in Schwangerschaft und Wochenbett. Solange die Nieren nicht beteiligt sind, können diese Schübe durch energische und langfristige Kortisontherapie meist beherrscht werden. Es besteht keine Gefahr, damit dem Kind zu schaden. Welche anderen Medikamente in der Schwangerschaft verabreicht werden dürfen, muss der Spezialist entscheiden.
Von einer Schwangerschaft abraten sollte man bei aktiver Nierenbeteiligung, schwerem Bluthochdruck und Befall des zentralen Nervensystems. Ein Sonderfall sind Patientinnen mit so genanntem Sjögren-Syndrom und Nachweis von Ro- und La-Antikörpern im Blut. Diese werden auf das Kind übertragen und verursachen bei ihm eine lupusartige Erkrankung (neonataler Lupus). Zwar sind sowohl die Antikörper als auch die Hautveränderungen des Kindes nach sechs Monaten wieder verschwunden, doch besteht ein erhöhtes Risiko für angeborene Herzblöcke, an denen ca. 20 % der betroffenen Kinder versterben. Und von den Überlebenden benötigen zwei Drittel einen Herzschrittmacher, so Prof. Gromnica-Ihle. Zur Vermeidung dieser Komplikation muss in der Schwangerschaft eine Prophylaxe mit einem bestimmten Kortison (Dexamethason) erfolgen, das (im Gegensatz zu anderen Kortisonpräparaten) auf das Kind übergeht. Ein weiterer Sonderfall sind SLE-Frauen mit so genanntem Antiphospholipidsyndrom, die zu Thrombosen und Frühgeburten neigen. Diese Patientinnen müssen während der ganzen Schwangerschaft blutverdünnende Medikamente erhalten.
Die Antibabypille ist für die SLE-Patientin verboten, weil die darin enthaltenen Östrogene den Lupus verstärken. Reine Gestagenpillen scheinen allerdings möglich zu sein. Die Spirale kommt nicht in Frage, weil bei gleichzeitiger immunsuppressiver Therapie trotzdem Schwangerschaften möglich sind und Entzündungen im Genitaltrakt verschleiert werden. Was bleibt sind Kondome, Scheidendiaphragma oder Sterilisation des Mannes.

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4. Systemische Sklerodermie

Meistens beginnt eine Sklerodermie so um das 40. Lebensjahr herum. Etwa die Hälfte der Patientinnen trifft die Erkrankung im fortpflanzungsfähigen Alter, so dass sich in der Praxis nicht selten der Wunsch nach einem Kind stellt. Medizinisch gibt es keinen Grund, der Patientin davon abzuraten, betonte Prof. André Kahan, Cochin Hospital der Universität Paris, beim EULAR 2001.
Die Empfängnisfähigkeit ist bei Sklerodermie-Patientinnen nur geringfügig eingeschränkt. Eine Schwangerschaft hat in der Regel keine negativen Auswirkungen auf den Krankheitsverlauf. Die Risiken für Mutter und Kind sind vertretbar, wenn die Schwangere wie eine Hochrisikopatientin engmaschig überwacht wird, meinte Kahan. Auch die Fehlgeburtsrate ist insgesamt nicht erhöht, Fehlgeburten sind jedoch bei Patientinnen mit langjähriger Erkrankung häufiger zu beobachten als bei kurzem Krankheitsverlauf. Das Hauptrisiko der Sklerodermie-Patientin ist die Frühgeburtlichkeit, die vor allem Frauen mit früher diffuser Sklerodemie betrifft.
Die Krankheit selbst wird durch die Schwangerschaft nicht beeinflusst, nur in wenigen Fällen kommt es zu Verschlechterungen, deren Symptomatik jedoch mild bleibt. Ganz selten werden krisenhafte Verschlechterungen der Nierenfunktion beobachtet, die aggressiv behandelt werden müssen.



Datum: 04.09.2003 15:42:00
Team Rheumanet  



 
 
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