PD Dr. med. Wolfgang A. Schmidt, PD Dr. med. Marina BackhausW. Schmidt: Rheumaklinik Berlin-Buch, Karower Str. 11, 13125 Berlin, Tel. 030-94792335, Fax 030-94792555, E-mail: w.schmidt@immanuel.deM. Backhaus: Abt. für Rheumatologie und Klinische Immunologie, Charité Campus Mitte, Schumannstr. 20/21, 10117 Berlin, Tel. 030-4045-13137, E-mail: marina.backhaus@charite.de
Verschiedene bildgebende Verfahren stehen für die Diagnostik rheumatischer Erkrankungen an den Bewegungsorganen zur Verfügung: Konventionelle Radiographie, Sonographie, Magnetresonanztomographie (MRT), Computertomographie (CT) und Szintigraphie.
Die Sonographie hat folgende Vorteile:
Die Sonographie hat aber auch Nachteile:
Bei fast allen Erkrankungen besteht die Regel, dass Anamnese und Befund wichtigste Voraussetzung für die Diagnosestellung sind. So sollte die Diagnose nicht ausschließlich aufgrund eines sonographischen Befundes gestellt werden. Anderseits hilft die Sonographie in vielen Fällen, klinisch unklare Befunde zu klären, Diagnosen zu sichern und praktische Konsequenzen aus der Untersuchung zu ziehen. Es gibt folgende Indikationen für die Songraphie der Bewegungsorgane in der Rheumatologie:
Darüber hinaus liefert die Sonographie charakteristische Befunde bei Vaskulitiden großer Gefäße (Arteriitis temporalis, Large-Vessel Riesenzellarteriitis, Takayasu Arteriitis) und bildet typische Veränderungen der Speicheldrüsen beim Sjögren - Syndrom ab.
Voraussetzung für die Sonographie der Bewegungsorgane sind anatomische Kenntnisse der untersuchten Regionen. Etwa 400 Untersuchungen sind erforderlich, um ausreichend selbständig untersuchen zu können. Man sollte sich zu Beginn auf Normalbefunde und eindeutige pathologische Befunde konzentrieren. Immer sollte die Ultraschalluntersuchung mit einer klinischen Untersuchung der betroffenen Strukturen einhergehen. Die deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) bietet zahlreiche Kurse fachlich ausgewiesener Dozenten an ( www.degum.de ). Eine gute Ausbildung erfolgt durch den Besuch eines Grund-, Aufbau- und Abschlusskurses. Jeder Kurs dauert 2 Tage mit insgesamt 12 bis 16 Stunden. Zur Abschlussprüfung müssen Befunde von 400 selbst untersuchten Patienten mitgebracht werden. Im Rahmen des Imaging Kurses der Universität Düsseldorf werden jährlich vertiefende Kurse durch die Autoren dieses Artikels angeboten. In Zusammenarbeit mit der europäischen rheumatologischen Gesellschaft (eular) werden ebenfalls Grund- und Fortgeschrittenenkurse durchgeführt.
Erforderlich ist ein Ultraschallgerät mit einem Linearschallkopf mit einer Frequenz von > 5 MHz. Sinnvoll sind Schallköpfe mit 7,5 MHz. Eleganter, aber teurer sind Schallköpfe, die mehrere Frequenzen von etwa 5 bis 14 MHz abdecken. Damit können alle Gelenkregionen hervorragend untersucht werden. Die KV Richtlinien fordern eine maximale Schallkopflänge von 5 cm, wobei ein Spielraum von 20 % gewährt wird. Damit sind auch noch 4,5 cm lange Schallköpfe zulässig. Eine hervorragende Übersicht über die wichtigsten auf dem Markt zur Verfügung stehenden Geräte findet sich auf der Homepage der DEGUM: www.degum.de .
Bei einem Normalbefund soll die untersuchte Gelenkregion in zwei Standardebenen dokumentiert werden. Darüber hinaus ist jeder pathologische Befund ebenfalls in zwei Ebenen abzubilden. Eine vergleichende Untersuchung der Gelenke auf beiden Seiten ist sinnvoll. Beim Longitudinalschnitt werden proximal gelegene Strukturen links abgebildet. Bei Transversalschnitten erfordern die Richtlinien der DEGUM die Abbildung von medial, ulnar und tibial lokalisierten Strukturen auf der linken Seite. In anderen Ländern ist es häufig üblich, die vom Untersucher aus links lokalisierten Strukturen bei den Transversalschnitten auf der linken Seite abzubilden.
Die folgenden Kapitel beschreiben das Vorgehen bei der Sonographie der Bewegungsorgane der oberen Extremität
Die sonographische Untersuchung der Schulterregion erfolgt am sitzenden Patienten. Die Schulter sollte nach Möglichkeit frei zugänglich sein in adduzierter, leicht extendierter Position und mit angewinkeltem Unterarm (90°). Man beginnt mit dem ventralen Transversalschnitt in Höhe des Sulcus intertubercularis zur Darstellung der langen Bizepssehne und Erfassung kleinster Flüssigkeitsansammlungen [1]. Entzündungen im Bereich der Sehnenscheide der langen Bizepssehne bzw. kleinste Flüssigkeitsansammlungen stellen sich als ein echoarmer Saum um die echoreiche Bizepssehne dar, der auch als „Halo“- Phänomen bezeichnet wird. Der pathologische Befund wird in der dazugehörigen 2. Ebene, dem ventralen Longitudinalschnitt bestätigt [2]. Läsionen der Rotatorenmanschette werden im ventralen Transversalschnitt [3] und Longitudinalschnitt [4] im coracoaromialen Fenster in maximaler Außenrotation (M. subscapularis) [a], in Neutralposition [b], in Innenrotation (60°) [c] und (90°) (M. supraspinatus, M. infraspinatus) [d] dargestellt. In diesen Schall-ebenen fahndet man auch nach Bursitiszeichen (B. subdeltidea), nach Gelenkergüssen und kann die Gelenkoberfläche des Humeruskopfes sehr gut darstellen. Die distalen Anteile der Supraspinatussehne lassen sich im ventro-lateralen Longitudinalschnitt [6] in Höhe des Akromions (ventro-lateral) gut erfassen. Hier erfolgt eine dynamische Untersuchung der Abduktionsbewegung unter Ultraschallsicht. Es wird das Gleitverhalten der Supraspinatus in Höhe des Akromions beurteilt. Gelenkergüsse / Synovilisverdickungen in Form von Kapselanhebungen / - verdick1ungen lassen sich sehr gut im dorsalen Transversalschnitt in der Fossa infraspinata lateral unterhalb der Spina scapulae nachweisen [7]. Pathologische Befunde werden in der 2. Ebene, dem dorsalen Longitudinalschnitt [8] bestätigt. Für die Darstellung des Acromio-Claviculargelenkes wird der Schallkopf parallel zu diesem Gelenk aufgesetzt [9]. Geringste Flüssigkeitsansammlungen und kleinste erosive Läsionen am Humeruskopf lassen sich gut im axillären Longitudinalschnitt [10] darstellen. Hierzu wird der Arm hinter dem Kopf positioniert und der Schallkopf parallel zum Humeruskopf aufgesetzt. Zum Abschluss erfolgt noch die Beurteilung des Sternoclaviculargelenkes mittels ventralen Schrägschnitts über dem Sternoclaviculargelenk [11] zur Erfassung einer Synovitis, Synovilisproliferation, Erosionen und Osteophyten.
Abbildung 1: Standardebenen am Schultergelenk

Die Zahlen in den eckigen Klammern im Text beziehen sich auf die Standardebenen
Tabelle 1: Messwerte bei Gesunden am Schultergelenk:
Anatomische Struktur |
Ultraschallebene |
Genaue Lokalisation |
Mittelwert(mm) |
2 SD(mm) |
|---|---|---|---|---|
Lange Bizepssehne: sagittaler Durchmesser |
Bizepssehnelongitudinal |
distales Ende der Rotatoren-manschette |
2.6 |
± 1.4 |
Lange Bizepssehne: echoarmer Saum |
Bizepssehnelongitudinal |
Lokalisation des maximalen Durchmessers |
1.4 |
± 1.4 |
Subscapularissehne: Sagittaler Durchmesser |
Schulter anterior transversal, maximale Außenrotation |
2 cm medial der Bizepssehne |
4.2 |
± 1.6 |
Supraspinatussehne: Sagittaler Durchmesser |
Schulter anterior transversal, 60° Innenrotation |
2 cm lateral der Bizepssehne |
4.6 |
± 1.9 |
Infraspinatussehne: Sagittaler Durchmesser |
Schulter posterior transversal, 60° Innenrotation |
maximale posteriore Lokalisation |
3.8 |
± 1.8 |
Recessus axillaris sagittal |
axillär longitudinal |
Mitte der Konkavität des Collum humeri |
2.2 |
± 1.6 |
Acromioclavicular-gelenk (ACG): Abstand Knochen-Gelenkkapsel lateral |
ACG transversal |
Mediales Ende des Acromions |
2.5 |
± 1.7 |
Sternoclavicular-gelenk (SCG): Abstand Knochen-Gelenkkapsel lateral |
SCG schräg von proximal lateral nach distal medial |
Mediales Ende der Clavicula |
1.5 |
± 1.6 |
Der Patient sitzt vor oder neben dem Untersucher. Für die ventralen Schnittebenen ist der Arm im Ellenbogengelenk gestreckt und der Unterarm befindet sich in Supinationsstellung. Die dorsalen Schnittebenen werden am gebeugten Ellenbogengelenk durchgeführt, um einen besseren Einblick in die Fossa olecrani zu bekommen. Mit Hilfe einer dynamischen Untersuchung (Beugen-Strecken im Ellenbogengelenk) können kleinste Flüssigkeitsansammlungen in der Fossa olecrani nachgewiesen werden. Es wird mit dem ventralen Transversalschnitt in Höhe der Trochlea [1] begonnen, gefolgt von den ventralen Longitudinalschnitten parallel zum Humeroradial [2] - und -ulnargelenk [3]. Dabei wird der Schallkopf dynamisch von radial nach ulnar bewegt. Kapselanhebungen bzw. - verbreiterungen können Ausdruck von Flüssigkeitsansammlungen oder einer Synovialisverdickung sein. In diesen Schnittebenen lässt sich die Gelenkoberfläche gut beurteilen und erosive Knochenläsionen frühzeitig darstellen. Zur Abklärung von Pathologien in Höhe der Epicondylen wird der laterale(radial) [4] und medilale (ulnar) [5] Longitudinalschnitt durchgeführt. Für die dorsalen Schnittebenen wird der Patient aufgefordert den Arm zu beugen und aufzustützen. Man beginnt mit dem dorsalen Longitudinalschnitt [6] in Höhe der Fossa olecrani. Dazu wird der Schallkopf längs zur Humerusachse in Höhe der Fossa olecrani aufgesetzt. Bei der dynamischen Untersuchung wird der Ellenbogen im Wechsel gebeugt und gestreckt. Zur Bestätigung der im Longitudinalschnitt erhobenen pathologischen Befunde wird der dorsale Transversalschnitt [7] eingestellt, in dem der Schallkopf im Winkel von 90° gedreht wird. Optionale Schnittebenen sind der distale dorsale Longitudinalschnitt in Höhe des Olecranons und der ventrale Transversalschnitt in Höhe des Radiusköpfchens. Im Bereich des Olecranons können Weichteilläsionen (Rheumaknoten, Bursitis olecrani, Gichttophi) differmeziert werden. Dazu wird der Schallkopf distal parallel zum Oecranon aufgesetzt. Zur Abklärung von Radiusköpfchen-Läsionen wird der Schallkopf quer in Höhe des Radiusköpfchens aufgesetzt.
Abbildung 2: Standardebenen am Ellenbogengelenk

Die Zahlen in den eckigen Klammern im Text beziehen sich auf die Standardebenen
Tabelle 2: Messwerte bei Gesunden am Ellenbogengelenk:
Anatomische Struktur |
Ultraschallebene |
Genaue Lokalisation |
Mittelwert(mm) |
2 SD(mm) |
|---|---|---|---|---|
Ellenbogen: Fossa coronoidea: Abstand Knochen-Gelenkkapsel |
Ellenbogen anterior longitudinal |
Tiefster Punkt der Fossa coronoidea |
1.8 |
± 1.9 |
Ellenbogen: anterior ulnar, Knochen-Gelenkkapsel |
Ellenbogen anterior transversal |
ulnar, am meisten anteriore Region |
1.0 |
± 0.5 |
Ellenbogen: Fossa olecrani: Abstand Knochen-Gelenkkapsel |
Ellenbogen posterior longitudinal,maximale Flektion |
Tiefster Punkt der Fossa olecrani |
1.9 |
± 2.0 |
Die Arthrosonographie gewinnt insbesondere in der Früharthritis eine zunehmende Bedeutung an der Hand. So ermöglicht sie sehr sensitiv den Nachweis kleinster Flüssigkeitsansammlungen in den Gelenken und Sehnenscheiden sowie das Aufdecken kleinster erosiver Knochenläsionen mitunter eher als mit der konventionellen Röntgendiagnostik. In der pathogenetischen Abklärung (Synovitis / Tenosynovitis) eines Karpaltunnel Syndrom ist die Arthrosonographie ebenfalls hilfreich. Die sonographische Untersuchung am Handgelenk beginnt mit dem dorsalen Longitudinalschnitt über dem Radiocarpal- und Ulnocarpalgelenk [1] mit der Frage nach Gelenkerguss und Synovialisproliferation, Ganglien, Sehnenscheidenentzündungen, Unregelmäßigkeiten der knöchernen Oberfläche wie bei knöchernen Appositionen sowie bei Erosionen. Hierbei wird der Schallkopf dynamisch von radial nach ulnar und umgekehrt bewegt. Ihm schließt sich der dorsale Transversalschnitt [2] über dem Handgelenk zur Darstellung der Strukturen in einer weiteren Ebene an. Die Untersuchung wird mit dem volaren Longitudinalschnitt über dem Radiocarpal- und Ulnocarpalgelenk [3] sowie dem dazugehörigen volarer Transversalschnitt [4] über dem Handgelenk mit gleicher Fragestellung wie in den vorgenannten Ebenen sowie zur Beurteilung des Nervus medianus im Rahmen der Abklärung eines Karpaltunnel Syndroms fortgesetzt. An den Fingergelenken werden folgende Standardschnittebenen für die sonographische Untersuchung empfohlen. Gestartet wird mit dem volaren Transversalschnitt in Höhe der MCP-Gelenke [5]. Dieser Schnitt ermöglicht eine gute Erfassung von Tenosynovitiden im Bereich der Flexorensehnen. Synovitiden und knöcherne Läsionen an den Fingegelenken lassen sich besser in den ventralen Longitudinalschnitten im Bereich des Daumens [6] und der Finger [7] darstellen. Pathologische Befunde werden durch den volaren Transversalschnitt jeweils bestätigt [8].
Abbildung 3: Standardebenen an der Hand

Die Zahlen in den eckigen Klammern im Text beziehen sich auf die Standardebenen
Tabelle 3: Messwerte bei Gesunden an der Hand:
Anatomische Struktur |
Ultraschallebene |
Genaue Lokalisation |
Mittelwert(mm) |
2 SD(mm) |
|---|---|---|---|---|
Handgelenk (Radio-carpalgelenk): Abstand Knochen-Gelenkkapsel dorsal |
Handgelenk dorsal longitudinal radial |
Os scaphoideum: 1 cm distal des Gelenkes |
1.5 |
± 1.4 |
Handgelenk - Caput ulnae, Abstand Knochen-Gelenkkapsel dorsal |
Handgelenk dorsal longitudinal ulnar |
maximal dorsaler Bereich der Ulna |
0.8 |
± 0.8 |
Echoarmer Saum an der Sehne des M. extensor carpi ulnaris |
Handgelenk transversal ulnar |
direkt distal des Caput ulnae |
1.2 |
± 1.0 |
Echoarmer Saum um die Zeigefinger-beugesehnen |
Hand volar transversal |
1 cm proximal des MCP II Gelenkes |
0.9 |
± 0.8 |
MCP II Gelenk:maximaler Abstand Knochen-Gelenkkapsel |
MCP II Gelenk volar longitudinal |
Region proximal des MCP II Gelenkes |
0.9 |
± 1.0 |
PIP II Gelenk:maximaler Abstand Knochen-Gelenkkapsel |
PIP II Gelenk volar longitudinal |
Region proximal des PIP II Gelenkes |
0.8 |
± 0.8 |
Die folgenden Kapitel beschreiben das Vorgehen bei der Sonographie der Bewegungsorgane der unteren Extremität
Der klinische Nachweis eines Ergusses oder einer Bursitis ist hier besonders schwierig. Wichtigste Standardebene ist der ventrale Longitudinalschnitt [1]. Die Haltung des Schallkopfes ist dabei nicht strikt longitudinal, sondern etwas schräg von proximal medial nach distal lateral, also entlang des Femurkopfes. Die Gelenkkapsel verläuft normalerweise parallel des Knochens. Intraartikulär befindet sich das Ligamentum iliofemorale. Im Falle einer Synovitis oder eines Gelenkergusses wölbt sich die Gelenkkapsel vor und verläuft nicht mehr parallel zum Knochen. Eine Bursitis iliopectinea, die bei ausgeprägter Synovitis der Hüftgelenkes vorkommt, ist besser im ventralen Transversalschnitt (im Winkel von 90° im Vergleich zum Longitudinalschnitt) zu sehen [2]. Sie zieht sich in der Regel nach medial dorsal der A. und V. femoralis. Das Hüftgelenk kann auch von lateral [3] und dorsal untersucht werden. Zusätzlich sollte die Region des Trochanter major in einem Longitudinal- und in einem Transversalschnitt untersucht werden [4,5]. Hier finden sich Bursitis und Enthesiopathie. Bei der Bursitis findet sich eine Flüssigkeitsansammlung lateral des Trochanters. Eine Bursitis kommt häufig bei der Polymyalgia rheumatica vor, wenn der Patient Schmerzen im Beckengürtel angibt. Bei Spondyloarthritiden können häufig Verkalkungen der Sehnenansätze im Bereich des Trochanter major nachgewiesen werden.
Abbildung 4: Standardebenen am Hüftgelenk

Die Zahlen in den eckigen Klammern im Text beziehen sich auf die Standardebenen
Tabelle 4: Messwerte bei Gesunden am Hüftgelenk:
Anatomische Struktur |
Ultraschallebene |
Genaue Lokalisation |
Mittelwert(mm) |
2 SD(mm) |
|---|---|---|---|---|
Hüftgelenk:Abstand Knochen-Gelenkkapsel |
Hüftgelenk anterior parallel zum Collum femoris |
Mitte der Konkavität des Collum femoris |
5.2 |
± 2.8 |
Bursa trochanterica: Abstand Knochen-Gelenkkapsel |
Trochanter major transversal |
am meisten laterale Stelle des Trochanter major |
1.1 |
± 1.1 |
Die Untersuchung beginnt im Longitudinalschnitt proximal der Patella [1]. Der Recessus suprapatellaris, der hier abgebildet wird, ist am häufigsten bei Ergüssen mit Flüssigkeit gefüllt, die besonders gut nachweisbar ist, wenn der Patient eine isometrischer Kontraktion des M. quadricpes durchführt. Von hier aus sollte der Schallkopf nach lateral bewegt werden. Besonders häufig sind kleine Ergüsse in der Region proximal lateral der Patella zu sehen. Der Schallkopf wird nun weiter bis zum lateralen Gelenkspalt bewegt [3]. Anschließend erfolgt die Untersuchung des Recessus suprapatellaris medial der Mittellinie bis zum medialen Gelenkspalt [4] und anschließend die Abbildung des Recessus suprapatellaris im Transversalschnitt [2]. Am medialen und lateralen Gelenkspalt können insbesondere Osteophyten und Erosionen nachgewiesen werden. Nun wird die infrapatellare Region im Längsschnitt [5], danach im Transversalschnitt [6] untersucht. Schließlich legt sich der Patient auf den Bauch, um die dorsale Knieregion zu untersuchen. Begonnen wird mit einem dorsalen Transversalschnitt medial der Mittellinie, um nach einer Bakerzyste zu suchen. Der Schallkopf wird dabei von proximal [10] nach distal [11] bewegt. Danach werden im Transversalschnitt die in der Mitte und weiter lateral lokalisierten Strukturen untersucht, wie die Vena und Arteria poplitea. Schließlich wird die Region im dorsalen Longitudinalschnitt abgebildet [7-9].
Abbildung 5: Standardebenen am Kniegelenk

Die Zahlen in den eckigen Klammern im Text beziehen sich auf die Standardebenen
Tabelle 5: Messwerte bei Gesunden am Kniegelenk:
Anatomische Struktur |
Ultraschallebene |
Genaue Lokalisation |
Mittelwert(mm) |
2 SD(mm) |
|---|---|---|---|---|
Recessus suprapatellaris: sagittaler Durchmesser in der Mittellinie |
Knie anterior suprapatellar in der Mittellinielongitudinal |
im Bereich des maximalen Durchmessers bei isometrischer Kontraktion des M. quadriceps |
2.4 |
± 2.4 |
Recessus suprapatellaris: sagittaler Durchmesser lateral |
Knie anterior suprapatellar lateral longitudinal am Conylus lateralis femoris |
im Bereich des maximalen Durchmessers bei isometrischer Kontraktion des M. quadriceps |
2.4 |
± 2.5 |
Interkondylärer Knorpel: sagittaler Durchmesser |
Knie anterior suprapatellar transversal, 90° Flexion |
direkt proximal der Patella |
3.1 |
± 1.4 |
Ligamentum patellae:Sagittaler Durchmesser |
Knie anterior infrapatellar longitudinal |
2 cm distal des distalen Endes der Patella |
3.2 |
± 1.3 |
Eine größere Anzahl anatomischer Strukturen kann hier beurteilt werden. Die Untersuchung beginnt am oberen Sprunggelenk (OSG) im anterioren Longitudinalschnitt [1]. Dann wird das Talonavikulargelenk untersucht, ggf. die Mittelfußgelenke (Cuneonaviculargelenk und Tarsometatarsalgelenke). Dabei können Ergüsse, Synovitiden, und Arthrosen nachgewiesen werden. Nach der Untersuchung im Longitudinalschnitt werden die Strukturen im Transversalschnitt untersucht [2]. Mit diesem Schnitt lassen sich besser Tenosynovitiden der Strecksehnen nachweisen. Anschließend werden die Peronaeussehnen untersucht. Dabei wird erst der Transversalschnitt direkt distal des Malleolus lateralis angewendet [3]. Der Schallkopf sollte auch hinter dem Malleolus und weiter bis mindestens 10 cm cranial des Malleolus geführt werden, da die Sehnenscheide so weit reicht und Tenosynovitiden oft nur proximal des Mallolus lokalisiert sind. Anschließend erfolgt die Untersuchung der Sehne des M. peronaeus longus (außen) und brevis (innen) im Longituidnalschnitt [4]. Die gleiche Technik wird für die Beugesehnen genutzt: Sehnen des M. tibialis posterior, M. flexor digitorum longus und M. flexor hallucis longus (von medial nach lateral) [5,6]. Diese Sehnen sollen ebenfalls bis zum Bereich 10 cm proximal des Malleolus untersucht werden. Für die weitere Untersuchung liegt der Patient auf den Bauch. Der Fuß sollte in Normalstellung über die Kante der Untersuchungsliege hängen. Die Achillessehne sollte im Longitudinal- und Transversalschnitt in ganzer Länge untersucht werden [7,8]. Mit der Untersuchung lässt sich eine Tendinitis, eine Ruptur oder eine Paratenonitis diagnostizieren. Das sonographische Bild der Paratenonitis ähnelt dem Bild der Tenosynovitis. Die Achillessehne hat allerdings keine Sehnenscheide. Bei der Paratenonitis ist das die Achillessehne umgebende Gewebe entzündet, wodurch sich Flüssigkeit in dieser Region ansammelt, die sich echoarm darstellt. An der Stelle, an der die Achillesehne an den Calcaneus herantritt, befindet sich die Bursa subachillea, die eine vermehrte Flüssigkeitsansammlung aufweisen kann. Die dorsale Calcaneusfläche ist bei der Enthesiopathie erosiv verändert. Ein dorsaler Calcaneussporn hat meistens wenig klinische Relevanz. Bei der Untersuchung der dorsalen Region kann auch der dorsale Recessus des OSG in der Tiefe abgebildet werden. Etwa 15 % aller Synovitiden im OSG lassen sich ausschließlich von dorsal nachweisen. Schließlich kann auf der plantaren Seite des Calcaneus die Fascia plantaris nachgewiesen werden [10]. Bei der plantaren Fasziitis ist die Faszie echoarm, inhomogen und verdickt. Die Zehengelenke lassen sich am besten von anterior im Longitudinalschnitt untersuchen [9], sind aber auch von plantar darstellbar. Bei der Suche nach Erosionen ist insbesondere das MTP I und das MTP V Gelenk wichtig, da hier der größte Anteil der Knochenoberfläche sonographisch abgebildet werden kann.
Abbildung 6: Standardebenen am Fuß

Die Zahlen in den eckigen Klammern im Text beziehen sich auf die Standardebenen
Tabelle 6: Messwerte bei Gesunden am Fuß:
Anatomische Struktur |
Ultraschallebene |
Genaue Lokalisation |
Mittelwert(mm) |
2 SD(mm) |
|---|---|---|---|---|
Oberes Sprunggelenk (OSG) anterior: Abstand Knochen-Gelenkkapsel |
OSG anterior longitudinal in der Mittellinie |
1 cm distal des OSG |
1.1 |
± 1.0 |
Talonavikulargelenk (TNG) anterior: Abstand Knochen-Gelenkkapsel |
TNG anterior longitudinal in der Mittellinie |
maximaler Durchmesser |
1.4 |
± 1.2 |
Achillessehne: sagittaler Durchmesser |
posterior longitudinal |
2 cm proximal des Calcaneus |
4.3 |
± 1.6 |
Plantare Faszie:sagittaler Durchmesser |
plantar longitudinal |
am distalen Ende des Calcaneus |
3.4 |
± 1.3 |
MTP I Gelenk:maximaler Abstand Knochen-Gelenkkapsel |
MTP I Gelenk anterior longitudinal |
Region proximal des MTP I Gelenkes |
1.7 |
± 1.8 |
MTP II Gelenk:maximaler Abstand Knochen-Gelenkkapsel |
MTP II Gelenk anterior longitudinal |
Region proximal des MTP II Gelenkes |
1.6 |
± 1.5 |
± |