Vorläufige Ergebnisse aus der Kompetenznetz-Rheuma Studie C 5.2

“Verlauf und Prognose der frühen rheumatoiden Arthritis“

1. Ziele

2. Studienteilnehmer

3. Krankheitsbedingte Beeinträchtigungen und Gelenkbeteiligung

4. Einfluss der Krankheit auf den Bewegungsumfang

5. Therapie und Therapiewirksamkeit

6. Weitere Erkrankungen

7. Nebenwirkungen

8. Was kostet die rheumatoide Arthritis den Patienten?

9. Ausblick

10. Fragebögen

11. Vorbehalt

12. Publikationen

 

 

1. Ziele der Studie

Seit Januar 2000 nehmen Patienten mit rheumatoiden Arthritis (RA) von maximal zwei Jahren Krankheitsdauer an einer Beobachtungsstudie teil, die vertiefte Erkenntnisse über den frühen Krankheitsverlauf bieten soll.

Sechzig rheumatologische Einrichtungen aus ganz Deutschland haben bis Juni 2001 knapp 1.100 RA-Kranke für die Studienteilnahme gewinnen können. Die Studienteilnehmer füllen drei Jahre lang in halbjährlichen Abständen sechsseitige Fragebögen aus. Die Fragebögen beziehen sich auf die rheumatische Symptomatik, die medizinische Behandlung und auf wechselnde Schwerpunkt-Themen wie z.B. Therapiewirksamkeit, Nebenwirkungen, Komorbidität, krankheitsbedingte Belastungen im Beruf oder krankheitsbedingte Kosten.

Am Ende der dreijährigen Beobachtungsphase wird anhand der Röntgenbilder von Studienbeginn und Studienende die Gelenkerosion berechnet. Diese wird mit Krankheits- wie Behandlungscharakteristika in Beziehung gesetzt.

 

2. Studienteilnehmer

Die Studienteilnehmer sind zu 70% Frauen und zu 30% Männer. Dies entspricht dem bekannten höheren Risiko von Frauen, an rheumatoider Arthritis zu erkranken.

Die Frauen waren bei Erkrankungsbeginn durchschnittlich 57,5, die Männer 59,5 Jahre alt. Die jüngsten Studienteilnehmer sind eine 19-jährige Frau und ein 22-jähriger Mann. Aber auch 86-Jährige können noch immer an RA erkranken. Abbildung 1 zeigt, in welchem Alter das Erkrankungsrisiko gemäß dieser Studie am höchsten ist.

 

Angesichts des relativ hohen Erkrankungsalters waren fast die Hälfte der Studienteilnehmer bei Studienbeginn bereits berentet. Nur 40% der Männer und 30% der Frauen waren noch berufstätig. Fast ein Viertel der Berufstätigen war bei Studienaufnahme allerdings krankgeschrieben.

Die berenteten Studienteilnehmer waren zum größten Teil (92%) wegen Erreichens der Altersgrenze berentet.

 

3. Krankheitsbedingte Beeinträchtigungen und Gelenkbeteiligung bei Studieneintritt

Zu den krankheitsbedingten Beeinträchtigungen zählen in erster Linie Schmerz, Erschöpfung, Morgensteifigkeit, Schlafstörungen und Einschränkungen der Beweglichkeit im Alltag.

Die Stärke des Schmerzes, der Erschöpfung, der Morgensteifigkeit und der Schlafstörungen werden auf Skalen von 0 bis 10 angegeben.

Beim Vergleich der Mittelwerte zeigte sich, dass RA-Kranke am stärksten unter der Morgensteifigkeit leiden (Mittelwert 4,6), gefolgt von Schmerzen (4,4) und Schlafstörungen (4,1).

Nur 41% der Studienteilnehmer gaben an, gar nicht oder nur leicht unter Schmerzen zu leiden. 34% litten unter mäßigen Schmerzen und 25% unter starken bis sehr starken Schmerzen. Patienten ohne bzw. mit leichten Schmerzen beurteilten ihre Beweglichkeit deutlich besser als Patienten mit starken Schmerzen.

Funktionsbeeinträchtigungen im Alltag waren neben dem Schmerz auch in hohem Maß von der Zahl betroffener Gelenke abhängig. Patienten, die starke Schmerzen angaben, hatten in der Regel deutlich mehr schmerzhafte und geschwollene Gelenke.

Tabelle 1 bildet aus Arzt- und Patientensicht die Häufigkeiten von Gelenkschmerz und Gelenkschwellung bei basistherapeutisch behandelten Patienten durchschnittlich 12 Monate nach Krankheitsbeginn ab. Von den großen Gelenken war das Handgelenk am häufigsten betroffen. Es war nicht nur am häufigsten schmerzhaft, sondern auch am häufigsten gleichzeitig geschwollen.

 


Große Gelenke

Anteil (%) schmerzhafter oder geschwollener Gelenke bei basistherapeutisch behandelten RA-Kranken, durchschnittliche Krankheitsdauer 11 Mon. (6-24 Mon.)

Arztangabe „schmerzhaft“

rechts

%

links

%

Schulter

23

23

Ellenbogen

10

11

Handgelenk

43

44

Kniegelenk

23

23

 

 

 

Arztangabe „geschwollen“

rechts

links

Schulter

6

5

Ellenbogen

3

5

Handgelenk

38

38

Kniegelenk

16

15

 

 

 

Patientenangabe „schmerzhaft“

rechts

links

Schulter

38

38

Ellenbogen

18

20

Handgelenk

58

59

Hüftgelenk

13

12

Kniegelenk

41

40

Sprunggelenk

35

34

Tabelle 1: Häufigkeiten von Gelenkschmerz und Gelenkschwellung bei basistherapeutisch behandelten Patienten

durchschnittlich 12 Monate nach Krankheitsbeginn aus Arzt- und Patientensicht                   .

 

Am häufigsten waren die Fingergelenke, und von diesen die Grund- und Mittelgelenke des Zeige- und Mittelfingers, schmerzhaft oder geschwollen (Abb. 2).

 

4. Einfluss der Krankheit auf den Bewegungsumfang

Sechs Monate nach Studieneintritt gaben zwei Drittel der Studienteilnehmer an, sich im Vergleich mit der Zeit vor Erkrankungsbeginn erheblich (31%) bis etwas weniger (37%) zu bewegen.

Das Bewegungsverhalten war vor allem von der Stärke der Schmerzen (NRS 0-10) und der Morgensteifigkeit (NRS 0-10) abhängig. Aber auch eine schlechte psychische Verfassung ging mit deutlich verringertem Bewegungsumfang einher, während das Alter keinen Einfluss hatte.

Mit Ausnahme des Ellenbogengelenks hatte keines der großen Gelenke einen bedeutenden Einfluss auf das Bewegungsverhalten. War jedoch das Ellenbogengelenk schmerzhaft, so gaben die Patienten deutlich häufiger an, sich jetzt weniger zu bewegen.

Am häufigsten gelang es RA-Kranken mit geringen Schmerzen und weitgehend erhaltener Funktionsfähigkeit, den Bewegungsumfang aus der Zeit vor der Erkrankung beizubehalten oder sogar auszudehnen. Einen positiven Einfluss hatte außerdem die vom Patienten beurteilte Wirksamkeit der Basistherapie: Patienten, die die Wirksamkeit als „sehr gut“ beschrieben, waren 3 Mal häufiger unter denen, die ihren Bewegungsumfang beibehielten (Abb. 3).

Auch Informiertheit über Gelenkfunktion und Gelenkerhalt hatten positiven Einfluss auf das Bewegungsverhalten. Eine multivariate Regressionsanalyse charakterisierte die Patienten, die sich bewusst mehr bewegten, gegenüber denen mit reduziertem Bewegungsumfang durch Informiertheit über Gelenkfunktion und Schmerz. „Gut“ informierte RA-Kranke bewegten sich 2,6 Mal, „einigermaßen“ informierte 2,0 Mal bewusst mehr als vor der Erkrankung.

 

5. Therapie und Therapiewirksamkeit

Sechs und zwölf Monate nach Studieneintritt bekamen jeweils 88% der Studienteilnehmer Basistherapiemedikamente zur Beeinflussung der Krankheitsaktivität. Von diesen Patienten beurteilten ca. 70% die Wirkung als sehr gut bis gut. Etwa 20% verspürten kaum eine Wirkung und etwa 1% meinte, dass die Basistherapie überhaupt nicht wirkte. Die restlichen Patienten konnten wegen kurzer Einnahmezeit die Wirkung noch nicht beurteilen (Abb. 4).

In der Zeit von sechs bis zwölf Monaten nach Studieneintritt gab es bei den meisten Patienten keine bemerkenswerten Veränderungen in der Wirksamkeitsbeurteilung. Wer die Wirksamkeit bereits anfänglich als ungenügend beurteilt hatte, tat es häufig im nächsten Fragebogen auch.

Die Wirksamkeitsbeurteilungen spiegelten sich auch in den Angaben zur gegenwärtigen Krankheitsschwere wider. Patienten, die kaum oder gar keine Wirkung verspürten, beurteilten trotz häufig höherer Medikamentendosierung ihre Krankheitsaktivität im Durchschnitt höher und gaben deutlich stärkere Schmerzen und schwerere Morgensteifigkeit an. Auch fühlten sie sich im Alltag schwerer beeinträchtigt als Patienten, die die Therapiewirkung als gut beschrieben.

Insgesamt war die Beurteilung der Therapiewirksamkeit unabhängig davon, welches oder wie viele von den 11 verordneten Basistherapie-Medikamenten eingenommen wurde.

Die Therapiewirksamkeit war auch unabhängig von Alter und Geschlecht, sowie davon, ob ein Patient an weiteren Krankheiten litt. Selbst ein positiver Rheumafaktor hatte nur einen sehr geringen Einfluss darauf, ob ein Patient gut oder nur unzureichend von seiner Basistherapie profitierte.

Hingegen sagte die Krankheitsschwere zu Beginn der Erkrankung (hier Studieneintritt) am besten voraus, wie die Basistherapie-Wirkung nach 12 Monaten beurteilt wurde. D.h. Patienten, die nach mindestens 3-monatiger Basistherapie ihre Krankheitsaktivität, Schmerzen, Erschöpfung, Morgensteifigkeit und Funktionsbeeinträchtigung im frühen Krankheitsstadium als vergleichsweise leicht einschätzten, waren nach zwölf Monaten deutlich häufiger unter denen, die die Wirkung der Therapie als sehr gut oder gut beurteilten.

Umgekehrt befanden sich Patienten, die bei Studieneintritt trotz mindestens 3-monatiger Basistherapie ihre Symptomatik als schwer einschätzten (NRS 7-10) nach 6 und auch noch nach 12 Monaten häufiger unter denen, die die Therapiewirkung als unzureichend beurteilten (Abb. 5).

 

6. Weitere Erkrankungen

83% der RA-Kranken litten bei Studienbeginn an mindestens einer weiteren Krankheit (Durchschnitt = 2,1). Die häufigsten Krankheiten waren Bluthochdruck (31%), degenerative Gelenk- (26%) und Wirbelsäulenerkrankungen (25%), Osteoporose (12%), Hypercholesterinämie (11%) und koronare Herzerkrankung (9%) (Abb. 6).

Nach Einschätzung der Ärzte war knapp ein Drittel der Patienten durch weitere Krankheiten in der Mobilität beeinträchtigt. Die am häufigsten mit Mobilitätsbeeinträchtigungen einhergehenden Krankheiten waren Herzinsuffizienz (45% der daran Erkrankten), degenerative Gelenk- (45%) und Wirbelsäulenerkrankungen (40%), Fibromyalgie (44%) und chronisch obstruktive Atemwegserkrankung (39%).

Patienten, die unter einer solchen Krankheit litten, verfügten bereits bei Studieneintritt über rund 10% weniger Funktionskapazität als nicht daran erkrankte Patienten (66% : 76% FFbH). Darüber hinaus erwies sich Übergewicht als starker Prädiktor für überdurchschnittliche Funktionsbeeinträchtigung. Übergewichtige Patienten (Body Mass Index [BMI] > 30) litten an deutlich mehr Krankheiten (2,6 : 1,8) und deutlich niedrigerer Funktionsfähigkeit (69% : 78% FFbH) als Normalgewichtige. Ihre gewichtsbedingte Beeinträchtigung war bei 12 von 18 erfassten Alltagsfunktionen (FFbH) statistisch signifikant.

 

7. Nebenwirkungen

Obwohl 1 ½ Jahre Studiendauer noch ein sehr kurzer Ausschnitt sind, um etwas über die Entwicklung von Nebenwirkungen auszusagen, scheint es doch interessant, dass es bei RA-Kranken in den ersten Krankheitsjahren offensichtlich keine Zunahme von Nebenwirkungen gibt. 6, 12 und 18 Monate nach Studienbeginn geben jeweils gut die Hälfte der RA-Kranken an, keine und gut ein Drittel, leichte Nebenwirkungen zu haben (Tab. 2).

 

 

nach 6
Monaten (P 1)

nach 12
Monaten
(P 2)

nach 18
Monaten
(P 3)

keine NW

52%

54%

56%

leichte NW

39%

36%

36%

schwere NW

9%

10%

9%

Tabelle 2: Häufigkeit von Nebenwirkungen 6, 12 und 18 Monate nach Studienbeginn

 

Dabei scheinen manche Patienten ein höheres NW-Risiko zu haben als andere. So haben diejenigen, die bereits nach 6 Monaten schwere Nebenwirkungen angaben, auch in der Folgezeit häufiger schwere Nebenwirkungen (Tab. 3).

 

NW nach

6 Monaten (P 1)

schwere NW nach
12 Monaten (P 2)

schwere NW nach
18 Monaten (P 3)

keine NW

4%

3%

leichte NW

13%

10%

schwere NW

30%

30%

Tabelle 3: Häufigkeit schwerer Nebenwirkungen im Verlauf

 

Anhand der bisher vorliegenden Patientenangaben verursachen die Medikamente der drei großen Hauptgruppen Kortisone, kortisonfreie Rheumamittel (z.B. Diclophenac o. Aspirin) und Basistherapien vergleichbar häufig Nebenwirkungen. Allerdings ist der Vergleich dadurch erschwert, dass kaum ein Patient nur Medikamente einer Gruppe einnimmt.

Nebenwirkungen treten dann häufiger als beim Durchschnitt der RA-Kranken auf, wenn Medikamente häufiger und in höheren Dosierungen eingenommen werden, wie es auf Patienten mit starken Schmerzen zutrifft.

Bemerkenswerterweise sind Patienten, die neben der rheumatoiden Arthritis an weiteren Krankheiten leiden und wahrscheinlich noch andere Medikamente einnehmen, nicht häufiger von Nebenwirkungen betroffen. So weist eine statische Berechnung, die die Einflüsse von Medikamenten, von weiteren Krankheiten, Krankheitsschwere, Alter und Geschlecht gleichzeitig berücksichtigt, nur weibliches Geschlecht und starke Schmerzen als besondere Risikofaktoren aus. Demnach haben Frauen und Patienten mit starken Schmerzen (7-10 auf der Schmerzskala) jeweils ein deutlich höheres Risiko für Nebenwirkungen.

Dass RA-kranke Frauen mehr Nebenwirkungen angeben mag z.T. mit der weiblichen „Biophysiologie“ zusammenhängen. Ähnliche Beobachtungen wurden auch in anderen Studien mit Patienten anderer Krankheiten gemacht. Z.T. erklärt sich die höhere Nebenwirkungsrate von Frauen wahrscheinlich u.a. auch mit einer genaueren Selbstbeobachtung. So geben Frauen sehr viel häufiger Haarausfall und Gewichtszunahme als Nebenwirkungen an. Dies könnte auch daran liegen, dass insbesondere Haarausfall und Gewichtszunahme für Frauen bedeutender sind und eher aufgeschrieben werden als von Männern. Alles in allem kommen Frauen so auf eine höhere Nebenwirkungsrate als Männer (Tab. 4).

 

 

leichte NW

schwere NW

Gesamt NW

Frauen

39,2%

10,5%

49,7%

Männer

27,4%

5,3%

32,7

Tabelle 4: Häufigkeit von Nebenwirkungen bei Frauen und Männern

 

Die meisten Nebenwirkungen betreffen den Magen/Darm-Trakt und die Haut bzw. Schleimhaut. In der Mehrheit werden die genannten Nebenwirkungen als „leicht“ beschrieben (90%). Pro Halbjahr sind Nebenwirkungen dennoch für jeweils rund 17% der Patienten so beeinträchtigend oder beunruhigend, dass sie deshalb ihren Arzt aufsuchen. Tabelle 5 zeigt die 10 am häufigsten genannten Nebenwirkungen.

 

 

Nebenwirkungen

%

1

Magen/Darm Beschwerden allgemein

26,2%

2

Übelkeit

13,3%

3

Haarausfall

11,6%

4

Hautausschlag, Hautjucken

8,4%

5

Schwäche / Ermüdung

8,0%

6

Durchfall

5,9%

7

Gewichtszunahme

4,2%

8

Sehstörungen

4,1%

9

Mundschleimhautentzündung

3,7%

10

Schwindel, Gleichgewichtsstörungen

3,3%

Tabelle 5: Am häufigsten genannte Nebenwirkungen 18 Monate nach Studieneintritt

 

 

8. Was kostet die rheumatoide Arthritis den Patienten? („Out-of-Pocket“-Kosten)

Die häufigsten Kosten entstehen RA-Kranken durch Zuzahlung zu Medikamenten. Gut 80% geben diesbezüglich Ausgaben an. Am zweithäufigsten werden Kosten für Medikamente, Salben, oder Tees genannt, die auf eigene Veranlassung zusätzlich gekauft wurden (Tab. 6).



Kostenbereiche

Anteil
„Ja, Kosten sind entstanden“
n = 871

verordnete Medikamente

81,2%

selbst gekaufte Medikamente, Salben, Tees

54,6%

Fahrtkosten zu Ärzten, KG etc.

45,9%

kleinere orth. Hilfsmittel

27,9%

Krankenhaus, Reha.

20,9%

KG, Funktionstraining

20,7%

Bücher, Infos, Patientenschulung, RL-Beiträge

16,5%

alternative Medizin, Homöopathie, Diät, etc.

13,2%

physikalische Therapie, Massage, Elektroth. etc.

11,3%

(Mehr)Kosten für Haushaltshilfe

6,7%

Matratze, Bettlifter etc.

4,5%

Toilettensitzerhöhung, Aqualift, Badausstattung

2,9%

andere Kosten 1

2,1%

Gehhilfen

2,0%

(Mehr)Kosten für KFZ-Ausstattung

2,0%

Tabelle 6: Anteil Patienten, denen im zurückliegenden Halbjahr Kosten entstanden sind

 

Im Mittel wendeten die Studienteilnehmer während des ersten Halbjahres nach Studienbeginn 311,5 € (Range 4-9353, SD 535) für Zuzahlungen und Gesundheitsmaßnahmen aus eigener Tasche auf. Der häufigst genannte Betrag lag rund um 150 Euro (Median 153 Euro). Die Hälfte der Patienten gab zwischen 64 und 330 Euro pro Halbjahr aus.

Der prozentual höchste Anteil der halbjährlichen Selbstkosten wurde für Maßnahmen der alternativen Medizin und für homöopathische Arzneimittel ausgegeben. Zwar führten nur 13% der Patienten diesbezügliche Kosten an, diese lagen mit 274 € pro Inanspruchnehmer und Halbjahr jedoch mit an der Spitze der Bereichskosten. Über alle Patienten gerechnet wurde für Maßnahmen der Alternativen Medizin etwa gleichviel ausgegeben wie für Zuzahlungen zu verordneten Medikamenten oder wie für rezeptfreie Medikamente, Salben, Tees etc, die von etwa der Hälfte der Patienten hinzugekauft wurden. Verglichen damit fielen die Kosten, die Patienten im Mittel für Zuzahlungen zu Krankengymnastik oder Funktionstraining ausgaben, mit 3,1% der gesamten Selbstkosten bedeutend niedriger aus.

Ob Maßnahmen der alternativen Medizin beansprucht wurden und wie viel dafür ausgegeben wurde, hing bedeutend vom Geschlecht, vom Alter, von der Schulbildung, der Funktionsbeeinträchtigung, der Wirksamkeit der Basistherapie und von Nebenwirkungen ab. Frauen gehörten häufiger zu den Inanspruchnehmern als Männern (19% : 15%), Jüngere häufiger als Ältere (< 55 Jahre 19% : >65 Jahre 9%), Patienten mit Hochschulreife häufiger als solche mit einfachem Schulabschluss (20% : 10%). Komorbidität oder die finanziellen Verhältnisse (Selbstbeurteilung) hatten keinen Einfluss auf die Inanspruchnahme von Maßnahmen der alternativen Medizin. Die stärksten Einflüsse sowohl auf die Inanspruchnahme überhaupt als auch auf die aufgewendete Summe hatten klinische Parame