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Praxis- und Klinikwegweiser
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Behandlung mit Etanercept

 

 

Arbeitsgemeinschaft Regionaler Kooperativer Rheumazentren in der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie

Behandlung mit Etanercept

Eine Information für Patienten

Name:___________________________________

Geb.-Dat.:_______________________________

 

Liebe Patientin, lieber Patient,

 

Sie leiden an einer rheumatischen Erkrankung, die mit verschiedenen Medikamenten behandelt wird. Besonders wichtig ist die sogenannte Basistherapie.

Ihnen wird als Rheumamedikament Etanercept empfohlen.

Ihr Präparat heißt ..................................................

Etanercept ist ein Medikament, das in der Fachsprache als TNF-Blocker bezeichnet wird.

Was sind TNF-Blocker und wie wirken sie?

Unter TNF-Blockern werden Medikamente verstanden, die einen bestimmten Botenstoff des Immunsystems, den Tumor Nekrose Faktor α (TNF α), binden und damit unwirksam machen. TNF α ist bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen wesentlich an der Gelenkentzündung beteiligt, seine Blockierung vermindert Schmerzen, Schwellungen und fortschreitende Zerstörung Ihrer Gelenke.

Für welche Patienten kommt die Therapie mit Etanercept in Frage?

Das Medikament wurde zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis (auch chronische Polyarthritis genannt) bei Erwachsenen und Kindern zugelassen, wenn das Ansprechen auf andere Basistherapeutika unzureichend ist oder diese zu starken Nebenwirkungen führen.

Wie wird die Behandlung mit Etanercept durchgeführt?

Im allgemeinen liegt die empfohlene Dosierung für Erwachsene mit rheumatoider Arthritis bei 25 mg pro Injektion, die zweimal wöchentlich als Injektion unter die Haut gegeben wird. Die Injektion kann von Ihnen selbst, einer ausgebildeten Hilfsperson oder Ihrem Arzt durchgeführt werden. Wenn Sie das Spritzen selbst durchführen wollen, müssen Sie die Zubereitung der Substanz und die Technik beherrschen.

Die Etanercept-Fläschchen, die Trockensubstanz beinhalten, müssen im Kühlschrank bei +2° bis +8°C gelagert werden, sie dürfen nicht einfrieren. Zur Injektion muss eine Injektionslösung hergestellt werden (vgl. den Fläschchen beiliegende Gebrauchsanweisung der Firma). Nach Herstellung der Etanercept-Injektionslösung sollte diese unverzüglich verwendet werden (innerhalb von 6 Stunden bei Lagerung zwischen +2° - +8°C im Kühlschrank).

Bei Unklarheiten, insbesondere auch, wenn Sie einen neuen Arzt besuchen, nehmen Sie immer den Arzneimittelkarton oder den Beipackzettel mit.

Woran merken Sie, dass die Behandlung mit Etanercept wirkt?

Eine Besserung der Schmerzen und Schwellungen wird nach 1-2 Wochen eintreten, evtl. auch erst später. Die Morgensteifigkeit nimmt ab.

Wie lange wird die Behandlung mit Etanercept durchgeführt?

Es ist notwendig, daß die Behandlung mit Etanercept langfristig erfolgt. Sie wirkt nur, wenn Sie die Behandlung regelmäßig bekommen. Sie muß auch dann fortgeführt werden, wenn es Ihnen besser geht. Sonst kann sich die Krankheit verschlimmern. Falls Sie einmal eine Injektion vergessen haben, sollten Sie die nächste Etanercept-Injektion sobald wie möglich nachholen.

Was passiert, wenn die Behandlung mit Etanercept nicht wirkt?

Ein Teil der Patienten spricht nicht ausreichend auf eine alleinige Etanercept-Therapie an. In diesen Fällen kann eine Kombination mit langwirksamen Rheumamedikamenten erfolgen. Die Auswahl der in Frage kommenden Medikamente erfolgt durch Ihren Arzt.

Auf welche Nebenwirkungen müssen Sie achten?

Bei jeder Behandlung können unerwünschte Begleiterscheinungen auftreten, dies gilt auch für die Therapie mit Etanercept. Daher sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen durch Ihren Arzt notwendig. Nur so kann er eventuell auftretende Nebenwirkungen rechtzeitig erkennen und die erforderlichen Maßnahmen ergreifen.

Welche Nebenwirkungen können auftreten ?

Die häufigsten Nebenwirkungen sind zumeist harmlose Reaktionen an der Injektionsstelle wie Jucken, Wundgefühl, Rötung oder Schmerzen. Im allgemeinen nehmen diese Reaktionen nach dem ersten Behandlungsmonat ab. Die Injektionsstelle sollte gewechselt werden.

Falls nach einer Injektion ein Hautausschlag, ein geschwollenes Gesicht oder Schwierigkeiten beim Atmen auftreten, informieren Sie unverzüglich Ihren Arzt oder suchen Sie eine Krankenhaus-Notaufnahme auf.

Andere Nebenwirkungen, die während der Anwendung von Etanercept auftreten können, umfassen: Kopfschmerzen, eine laufende Nase, Nasennebenhöhlenentzündungen, Halsschmerzen, verstärktes Husten, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Verstopfung, Schwächegefühl, Benommenheit, Fieber und Blutungsneigung. Wenn Sie diese Symptome beobachten, sollten Sie Ihren Arzt informieren.

Da die Substanz den Tumor Nekrose Faktor α, der auch zur Abwehr von Erregern benötigt wird, blockiert, kann es bei Ihnen unter der Therapie zu vermehrten Infektionen kommen. Sie dürfen Etanercept nicht injizieren, wenn eine schwerwiegende Infektion bei Ihnen vorliegt.

Der derzeitige Wissensstand kann nicht ausschließen, dass Tumorerkrankungen (Krebs) durch die Etanercept-Behandlung fortschreiten. Deshalb sollten Patienten mit Tumorerkrankungen nur nach Abwägung der individuellen Risiken behandelt werden. Sollte bei Ihnen während der Therapie eine Tumorerkrankung neu auftreten, muß individuell über die Fortführung der Etanercept-Therapie entschieden werden. Unklar ist zur Zeit auch, ob das Risiko eine Multiple Sklerose (Erkrankung des zentralen Nervensystems) zu bekommen, durch diese Behandlung erhöht ist.

Welche Nebenwirkungen können durch den Arzt festgestellt werden?

Der Arzt wird festlegen, ob bestimmte Risiken für die Anwendung der Etanercept-Therapie vorliegen. Unter der Etanercept-Behandlung werden regelmäßig Blutbildkontrollen durchgeführt. Bei nicht abheilenden Infekten, insbesondere der oberen Atemwege oder bei Fieber, sollte eine Röntgenaufnahme der Lunge durchgeführt werden. Vereinzelt wurde über eine Verminderung der Blutzellen berichtet.

Schwangerschaft

Über die Auswirkungen einer Etanercept-Therapie in der Schwangerschaft und beim Stillen liegen keine ausreichenden Erfahrungen vor. Eine Schwangerschaft muß deshalb während der Etanercept-Behandlung und in den ersten drei Monaten nach Absetzen des Etanercept sicher verhütet werden. Männer dürfen während der Etanercept-Behandlung und in den ersten drei Monaten nach dem Absetzen des Etanercept kein Kind zeugen.

Was ist außerdem noch während der Behandlung zu beachten?

Etanercept wird erst seit wenigen Jahren zur Behandlung von Patienten eingesetzt, damit fehlen Langzeiterfahrungen.

Eine Impfung mit Lebendimpfstoffen sollte während der Therapie nicht erfolgen.

Informieren Sie Ihren Arzt über alle Medikamente, die sie außerdem noch einnehmen. Nehmen Sie zusätzlich andere Rheumamedikamente, müssen deren mögliche Nebenwirkungen wie bisher berücksichtigt werden. Informieren Sie Ihren Arzt, wenn Sie vor einem größeren operativen Eingriff stehen. Dann muß individuell über eine Therapiepause entschieden werden.

Bei Fragen rufen Sie uns bitte an:


Verfasser: Projektgruppe Diagnose- und Therapierichtlinien der AG Regionaler Kooperativer Rheumazentren in der DGRh (Stand August 2002). Weitere Informationen zur Behandlung mit TNFα-Blockern finden Sie unter www.rheumanet.org


Datum: 17.09.2002


 
 
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